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„Communities of Practice” und virtuelle Lerngemeinschaften: Vorteile, Barrieren und Erfolgsfaktoren

26 September 2007
Eine virtuelle Community of Practice (CoP) ist ein Netzwerk von Personen mit einem gemeinsamen Interessengebiet, über welches sie online kommunizieren. Die Teilnehmer teilen untereinander Ressourcen (beispielsweise Erfahrungen, Probleme und ihre Lösungen, Werkzeuge, Methoden) aus. Diese Kommunikation führt zur Verbesserung des Wissensstands der einzelnen Teilnehmer der Gemeinschaft und trägt insgesamt zur Wissensentwicklung im betreffenden Sachgebiet bei.
Eine virtuelle Lerngemeinschaft kann die Betreibung eigener Forschung umfassen, wahrscheinlicher ist jedoch, dass ihr Hauptzweck darin besteht, das Wissen der Teilnehmer durch formelles Lernen oder berufliche Fortbildung zu vermehren. Lernen kann das Hauptziel virtueller Lerngemeinschaften sein, allerdings kann E-Learning auch als Nebeneffekt entstehen.

In höheren Bildungseinrichtungen (HBE) verbreiten sich virtuelle Communities of Practice (CoPs) und virtuelle Lerngemeinschaften dank technischer Entwicklungen, die – insbesondere durch Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) – eine intensivere Kommunikation, Interaktivität zwischen Teilnehmern und die Einbeziehung kollaborativer pädagogischer Modelle erlauben, zunehmend. Sie schaffen das Potenzial für die Kombination von synchroner und asynchroner Kommunikation und ermöglichen den Zugang zu – und von – geografisch isolierten Gemeinschaften sowie die internationale gemeinsame Informationsverwaltung.

Das miteinander Teilen und Lernen inner- und außerhalb der HBE bietet klar ersichtliche Vorteile. Es gibt ein Gefühl von Verbundenheit und von geteilter Leidenschaft und eine sich aus der laufenden Interaktion ergebende Vertiefung des Wissens. Wissensentwicklung kann kontinuierlich, zyklisch und flüssig sein. In virtuellen CoPs existieren jedoch auch Barrieren, die von den Autoren definiert und mit Zitaten von wissenschaftlichen Hochschulmitarbeitern, die sich an CoPs beteiligt haben, veranschaulicht werden.

Auch kritische Erfolgsfaktoren (KEF) für eine virtuelle CoP werden erörtert. Diese umfassen die Gebrauchstauglichkeit (usability) von Technologien; das Vertrauen in und die Akzeptanz von IKT in der Kommunikation; das Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Teilnehmern; die Berücksichtigung länder- und kulturenübergreifender Dimensionen der CoP; das geteilte Verständnis (shared understandings); eine gemeinsame Zielvorstellung; die Einhaltung der Netiquette sowie benutzerfreundliche Sprachregelungen und die Langlebigkeit.

Die Autoren würdigen das enorme Potential von Mailinglisten und Foren für die Entwicklung von CoPs, haben jedoch selbst die Schwierigkeiten erfahren, die mit der Gründung einer solchen Gemeinschaft einhergehen. Diese werden mit Auszügen aus Interviews mit Hochschullehrkräften untermauert und veranschaulicht. Ein Großteil der Literatur über CoPs stammt von außerhalb Europas, obwohl Artikel über E-Learning in Europa weite Verbreitung erfahren. Die Autoren regen eine weitere Erkundung dieses Themas mittels der Ermittlung und Untersuchung von CoPs und virtuellen Lerngemeinschaften in den EU-Ländern an.
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„Die Bürger sollen nicht nur einfache Informationsempfänger sein, sondern auch Informationserzeuger“

03 Februar 2005
Hunderte anonymer Bürger werden dank einer in Brest (Frankreich) gestarteten Initiative zu Autoren digitaler Inhalte.
In den letzten Jahren wurden in der Region Brest etwa sechzig Websites für Online-Publikationen eingerichtet. Hinter diesen Websites stehen keine Journalisten, sondern engagierte und motivierte Bürger. Es handelt sich um ein interessantes Beispiel für die Aneignung des Internets durch die Gesellschaft. In diesem Interview stellen wir die Ansichten von Michel Briand, dem Leiter des Programms Brest.net, vor.

Welche Art von Portalen haben die Bürger geschaffen?

Es gibt eine große Vielfalt. Zum Beispiel Seiten wie Arts dans la rue , wo Jugendliche Reportagen über Darbietungen von Straßenkünstlern bringen. Die dem Umweltschutz gewidmete Seite Brest Ouvert veröffentlicht wöchentlich etwa zwanzig Online-Artikel. Bei La ronde des sites coopératifs au pays de Brest können Sie zahlreiche Beispiele für offene Websites in der Region aufrufen.

Könnte man nicht sagen, dass es sich um „lokale“ Initiativen handelt, die nur ein ganz bestimmtes Publikum betreffen?

Es geht keineswegs um marginale Probleme. Um ein Beispiel zu zitieren, das nicht zu Brest.net gehört: Futura-Sciences ist eine populärwissenschaftliche Website, die von einem Studenten der Nationalen Hochschule für Telekommunikation der Bretagne initiiert wurde. Sie erreicht anderthalb Millionen abgerufene Seiten pro Monat. Die gemeinschaftlichen Veröffentlichungen und die Beteiligung diverser Personen an der Redaktion sind keine zweitrangigen Angelegenheiten.

Und erreicht man, dass die Bürger zu Redakteuren werden?

Den Ausgangspunkt bilden das Netz der sechzig öffentlichen Internet-Zugangspunkten, die es in der Region Brest gibt, und die etwa zwanzig lokalen Projekte, die pro Jahr unterstützt werden. In diesem Netz entstanden die ersten Initiativen, die die gemeinschaftlichen Veröffentlichungen für sich entdeckten. Ein Jahr später waren etwa 15 Personen an den Projekten beteiligt, und nach zwei Jahren hatten wir fünfundvierzig Websites mit gemeinschaftlichen Veröffentlichungen.

Welche Werkzeuge werden den Bürgern für die Erstellung von Inhalten zur Verfügung gestellt?

Es existieren neue Werkzeuge, die die Veröffentlichung im Internet ohne besondere Informatikkenntnisse erlauben. Konkret handelt es sich dabei um das Programm SPIP, système de publication par Internet, das auf der Website Uzine.net frei erhältlich ist. Durch die Verfügbarkeit eines Content-Management-Systems eröffnen sich Ausdrucksmöglichkeiten, die zuvor nicht zugänglich schienen. Die erste Hürde, die es zu überwinden gilt, ist allerdings nicht die Beherrschung des Programms, sondern die, sich an das Schreiben zu wagen und Texte schreiben zu lernen, die die ganze Welt einsehen kann.

Manchmal ist das Schreiben nicht so einfach, wie es scheint…

Schreiben erfordert begleitetes Lernen. Zum Beispiel wurden anfangs nichts sagende Titel wie „Sitzungsprotokoll“ verwendet. Dann brachten wir den Autoren bei, zu versuchen, Schlüsselwörter in den Titeln unterzubringen, damit diese für die Leser interessant werden.

Wie ich es sehe, haben Sie ein Schulungsprogramm in Gang gebracht.

Ja, in vier monatlichen Workshops, die sowohl im Rathaus als auch in den verschiedenen Stadtteilen stattfinden, wird abwechselnd der Umgang mit der Content-Management-Software und journalistisches Schreiben unterrichtet. Außerdem gibt es speziellere Workshops mit Gastdozenten zu Themen wie hypermediales Schreiben, Wikipedia, Blogs, Urheberrecht und geistiges Eigentum usw. Diese Vielfalt an Workshops erlaubt es, immer wieder neue Leute zu erreichen und die kollektive Aneignung zu fördern.

Wie hat die Beteiligung der Brester Stadtverwaltung an dieser Initiative ausgesehen?

Alles braucht seine Zeit, doch hat mich die Schnelligkeit überrascht, mit der die Stadtteilräte ihr Einverständnis gegeben haben, die Protokolle ihrer Versammlungen online zu veröffentlichen. Vorher wurden Texte geschrieben, die dann lediglich der stellvertretende Bürgermeister und wenige weitere Personen zu lesen bekamen. Nun können diese Texte von Leuten auf der ganzen Welt gelesen werden [besuchen Sie die Website Participation à Brest]. Außerdem werden die Texte von den Verfassern unterzeichnet. Ihre Arbeit wird anerkannt und durch die Veröffentlichung im Internet aufgewertet.

In welchem Maße begünstigt die allgemeine Möglichkeit zur Veröffentlichung im Internet die Einführung einer neuen Form der demokratischen Beteiligung?

Sie bedeutet eine Veränderung, denn wir gewähren Meinungsfreiheit, was in einer Kultur kommunaler Behörden und öffentlicher Dienste, die die Bürger häufig kaum zu Wort kommen lassen, nicht selbstverständlich. Das, was eine Person zu sagen hat, interessant zu machen, bedeutet auch, sie dazu zu ermuntern, sich in das städtische Leben zu integrieren und so die Politik aufzuwerten. Wir sind von Anfang an für die Aneignung durch die Gesellschaft offen gewesen. Dies schien uns ein hervorragendes Mittel, die Bürger nicht länger nur einfache Informationsempfänger, sondern auch Informationserzeuger sein zu lassen.

Wie viele Personen wirken bisher mit?

Vielleicht haben wir jetzt etwa 300 Redakteure, bei 200000 Einwohnern. Es gibt noch viel zu tun.
Michel Briand ist stellvertretender Bürgermeister von Brest, verantwortlich für Bürgerangelegenheiten und die neuen Technologien, Vorsitzender von Créatif, dem Verband der Netze öffentlicher Internet-Zugangspunkte, und Schatzmeister von AVICAM, Städteverbund für Kabel und Multimedia.

Einige interessante Websites für Autoren

Ecrit public, Portal für kreatives Schreiben im Internet.
Place Public, Verband für den Erfahrungsaustausch zwischen Bürgern.
Créatif, Verband der Netze öffentlicher Internet-Zugangspunkte.
SPIP, Content-Management-System für das Internet.
AVICAM, Städteverbund für Kabel und Multimedia.
Infini webhosting, uneigennützige Plattform für Webhosting und technische Unterstützung.
Marsouin, Plattform zur Erforschung der Informationsgesellschaft und der Internetnutzung in der Bretagne.
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Das neue Lernparadigma in der Schulbildung

05 Januar 2005
Eine aktuelle Studie identifiziert die innovativen Tendenzen in Theorie und Praxis neuer Lernumgebungen im Bereich der Schulbildung in der gesamten Europäischen Union.
Im Rahmen der eLearning-Initiative und des eLearning-Aktionsplans wurde eine Studie über Neue Lernumgebungen in der Schulbildung durchgeführt. Dieser Artikel ist eine freie Bearbeitung der Zusammenfassung dieser Studie. Er gibt einen Überblick über die herausragenden Aspekte der in dem Bericht enthaltenen Ergebnisse.

Die Ergebnisse der Studie deuten auf eine klare Bewegung in Richtung eines neuen Lernparadigmas hin. Dieses neue Lernparadigma stellt sich als eine Verlagerung vom Instruktionismus zum Konstruktivismus dar. Das bedeutet, dass die konstruktivistischen Visionen für das zukünftige Bildungssystem anscheinend allgemein geteilt werden.

Was ist eine Lernumgebung?

Gemeinsame Aspekte aller theoretischen Definitionen neuer Lernumgebungen liegen im Nachdruck darauf, dass eine Lernumgebung ein Ort oder eine Gemeinschaft ist, wo eine Reihe von Aktivitäten mit dem Zweck der Unterstützung des Lernens stattfinden, und dass die Beteiligten dabei auf eine Reihe von Ressourcen zurückgreifen können. Ebenfalls hervorgehoben werden die konstruktivistische Sicht des Lernens und die Nutzung von IKT.

Hin zu einem neuen Lernparadigma

Die gemeinsamen Auffassungen beziehen sich auf eine Reihe potenzieller Veränderungen.

  • Betrachtung der Schüler als Individuen. Zunächst beziehen sie sich auf eine Veränderung der Sicht auf die Schüler als Individuen und auf ihre Chancen, aktiver zu werden und mehr Verantwortung für den eigenen Lernprozess zu übernehmen.

  • Planung des Lernens gemäß individuellen Lernstilen. Dieser Aspekt scheint eng mit einem zweiten wichtigen Aspekt des neuen Lernparadigmas verbunden zu sein, nämlich der differenzierten Lernmethode, die Nachdruck auf die Notwendigkeit legt, das Lernen für verschiedene Schüler unterschiedlich zu planen, um ihnen zu ermöglichen, ihrem individuellen Lernstil und -tempo entsprechend zu arbeiten. Diese Auffassung basiert auf einem umfassenderen Intelligenzbegriff als dem der traditionellen literarischen Intelligenz.

  • Konzentration auf die soziale Partizipation. Gleichzeitig wird durch die Arbeit mit der Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit der Kinder die soziale Partizipation zunehmend in den Blickpunkt gerückt.

  • Veränderung der Lehrerrolle. Es gibt eine Veränderung in der Auffassung von der angemessenen Lehrerrolle weg von der Wissensverarbeitung nach dem „Lehrer an Schüler“-Muster hin zu eher „gruppenbasierten“ oder „Schüler an Schüler“-Verfahren, bei denen die Lehrer systematischer als Berater, Leitperson und Aufsicht der Lernenden agieren und ihnen Gestaltungsrahmen für den Lernprozess zur Verfügung stellen.

  • Von der Wissensreproduktion zur Wissenskonstruktion. Ein wichtiger Aspekt des Übergangs zu einem anderen Lernparadigma ist eine Verlagerung des Schwerpunkts weg von Inhalten und der Fähigkeit, Fakten und Wissen zu reproduzieren, hin zur Wissensbildung. Die Schüler sollten sich, in Einzel- und Gruppenarbeit, über ihre eigenen Lernprozesse aktiv an der Wissenskonstruktion beteiligen. Ausprobieren und Erforschen sind wichtige Aspekte dieser aktiven Wissensbildung.

  • Neugestaltung der Lernsituation. Das neue Lernparadigma geht mit der Überzeugung einher, dass der Lernprozess von der Neugestaltung der Lernsituation mit über die traditionellen, lehrplangebundenen Denkweisen hinausgehenden Mitteln und Wegen, multidisziplinären Ansätzen und einer radikal geänderten Zeitplanung und Organisation des Lernprozesses und der Arbeit der Lehrer profitieren wird.


Die Rolle der IKT

Es scheint allgemein anerkannt zu werden, dass die Nutzung von IKT ein großes Potenzial dafür hat, die oben beschriebene Verlagerung hin zu einem neuen Lernparadigma zu unterstützen oder gar entscheidend zu tragen. Viele Auskunftsgeber der Studie betrachten die IKT als Auslöser einer Revolution im Bildungssystem. In der Studie selbst wird jedoch geschlossen, dass dies zwar so sein könnte, jedoch keineswegs zwangsläufig so ist. Die Folgerung lautet stattdessen, dass die IKT entweder traditionelle Methoden unterstützen und erhalten oder aber ein Mittel – bzw. eine Stütze – für die Veränderung der pädagogischen Methoden und der Organisation der Lernsituation sein könnten.

Im Rahmen der Studie wurden sechs Best-Practice-Fallstudien durchgeführt. Diese sechs Fallstudien stützten die vorläufige Folgerung der Studie, dass neue Lernumgebungen nicht so sehr vom Gebrauch der IKT an sich abhängen, wie von der Neugestaltung der Lernsituation und der Fähigkeit der Lehrkräfte, Technologien zur Unterstützung pädagogischer Lernziele einzusetzen, die traditionelle Lernaktivitäten verändern.
Aufgrund der Fallstudien wurde klar, dass, wenn IKT zur Unterstützung neuer und innovativer Lernmethoden und damit der Erschaffung neuer Lernumgebungen in einer ganzen Schule genutzt werden, dieser Prozess nichts mit den IKT als solchen zu tun hat. Die resultierenden Veränderungen hatten, wie sich herausstellte, sehr viel mehr mit dem Managementstil, der Haltung der Lehrer, der Lehrerausbildung, pädagogischen Ansätzen und neuen Lernweisen zu tun. Bei allen Best-Practice-Beispielen waren die IKT kein Selbstzweck, sondern stellten lediglich einen Mechanismus für das Erreichen konkreter Lernziele dar.

Einige der allgemeinen Eigenschaften neuer und innovativer Lernumgebungen, in denen die IKT genutzt werden, um neue Lernweisen zu unterstützen, können folgendermaßen zusammengefasst werden:

  • Der Gebrauch von IKT verschafft Schulen die Möglichkeit zur Vernetzung mit anderen Institutionen – sowohl kulturellen Institutionen als auch anderen Bildungsinstitutionen – und Zugang zu neuen Formen des Lernens / Multimedia-Materialien.

  • Der innovative Gebrauch von Technologie findet jedoch oft ausschließlich innerhalb von Klassenräumen statt und nicht sehr oft zwischen Klassenräumen, über ganze Schulen oder zwischen Schulen und anderen Institutionen oder Organisationen.

  • IKT werden hauptsächlich für Gemeinschafts- und Kommunikationsaktivitäten, zu Produktionszwecken und für die Informationssuche genutzt.

  • IKT werden seltener zum Spielen, für Simulationen und andere experimentelle Zwecke genutzt, obwohl solche Aktivitäten beobachtet wurden.

  • Die IKT sind oft ein Katalysator für Veränderungen, bestimmen jedoch nicht selbst die Richtung derselben.



Die wichtigsten Herausforderungen der neuen Lernumgebungen

Zu den größten Herausforderungen, die in der Studie identifiziert worden sind, gehören:

  • Die Notwendigkeit neuer Bewertungskriterien. Die Schulen erfahren die Notwendigkeit, die Lernprozesse ihrer Schüler den neuen Lernmethoden, die sich im gegenwärtigen nationalen Prüfungssystem keines europäischen Landes widerspiegeln, entsprechend auf neue Weise auszuwerten und zu beurteilen.

  • Das hartnäckige Festhalten an Traditionen verursacht einige Probleme für die neuen Lernumgebungen, und zwar in verschiedener Hinsicht. Erstens erhalten die Schüler keine Anerkennung für die neuen Kompetenzen, die sie entwickelt haben, obwohl diese als wichtig für die zukünftige Entwicklung unserer Gesellschaften gelten. Zweitens sind einige Lehrer und Eltern immer noch unsicher darüber, ob die neuen Methoden in der Lage sind, zu gewährleisten, dass die Schüler von Schulen, an denen sie zur Anwendung kommen, bei nationalen Prüfungen ebenso gut abschneiden wie Schüler von Schulen, die traditionelle Lernmethoden nutzen.

  • Zweifel an den neuen Lernmethoden. Bei den Eltern und in der öffentlichen Debatte über die neuen Lernumgebungen wurden Zweifel an der Fähigkeit der betreffenden Schulen laut, die zum Bestehen nationaler Prüfungen erforderlichen Kompetenzen ihrer Schüler ebenso gut zu entwickeln, wie dies auf Schulen der Fall ist, die sich auf eher traditionelle Lernmethoden verlassen. Darüber hinaus wurde angezweifelt, dass diese Schulen in der Lage seien, Schüler mit besonderen Bedürfnissen zu fördern und zu unterrichten. Es war nicht der Zweck dieser Studie, festzustellen, ob diese Zweifel gerechtfertigt sind. Jedoch haben sich die Schüler von zwei der untersuchten Schulen in nationalen Prüfungen besonders hervorgetan; in landesweiten Vergleichen waren sie jeweils die Zweitbesten. Einige Lehrer der Schulen machen geltend, die IKT hätten sich als leistungsstarkes Werkzeug für die Unterstützung von Kindern erwiesen, die einer speziellen Förderung jeglicher Art bedürfen. Zum Beispiel profitieren legasthenische Kinder von Computeranwendungen, die ihre Lesefähigkeit fördern können, indem sie ihnen Texte laut vorlesen, oder die ihnen bei der Kontrolle ihrer Rechtschreibung helfen. Und auch Kinder mit anderen speziellen Bedürfnissen, etwa solche mit motorischen Problemen, können Vorteile aus der Nutzung der IKT ziehen.

  • Zweifel bezüglich der Umgestaltung. In einigen der besuchten Schulen scheint ein Dilemma zwischen dem Wunsch, die Lernweise neu zu gestalten, und einigen anderen Erwägungen zu bestehen. Beispielsweise äußerten Eltern vor allem deshalb Zweifel am Wert der zeit-, alters- und themenübergreifenden Umgestaltung, weil sie sich darum sorgten, ob ihre Kinder bei nationalen Prüfungen so gut abschneiden würden wie Kinder von anderen Schulen. Zusätzlich sperren sich manchmal Lehrer gegen neue Organisationsformen, weil sie ihnen anfangs mehr Arbeit machen. Allerdings hatten alle Lehrer, mit denen wir sprachen, in vielerlei Hinsicht von der engeren Zusammenarbeit mit ihren Kollegen profitiert und die Erfahrung gemacht, dass es sich langfristig gelohnt hatte, weil ihre Arbeit viel interessanter geworden und ihre Motivation gewachsen sei.

  • Schwierigkeiten des unabhängigen Lernens. Es wurden auch Zweifel in der Hinsicht geäußert, dass die Strukturen und die Motivation, die das unabhängige Lernen erfordert, sich für Kinder mit Lernproblemen oder Kinder, die die Schule einfach langweilig finden und sich schlecht selbst motivieren können, als problematischer erweisen könnten. Sie kommen in einer individualisierten Lernumgebung leichter durch. Einige der befragten Schulleitungen hielten dieser Kritik entgegen, dass gerade Kinder mit Lernproblemen von der Nutzung differenzierter Lernansätze profitiert haben.

  • Dieser Artikel ist eine bearbeitete Version des zusammengefassten Berichts. Bitte beachten Sie auch den vollständigen Text der Studie “New Learning Environments in School Education (Neue Lernumgebungen in der Schulbildung).” (8 MB).
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„e-Learning sollte strategisch genutzt werden und nicht nur als ein Werkzeug, das alle benutzen“

30 Dezember 2004
Tony Bates hat klare Ansichten über die Auswirkungen von Technologie auf die Universitäten. Er meint, dass e-Learning selektiv für neue Märkte oder konkrete pädagogische Zwecke genutzt werden sollte und schlägt einen strategischen Ansatz zur Implementierung des e-Learning vor.
Doktor Bates nahm Ende 2003 seinen Abschied von der University of British Columbia (UBC), Kanada, wo er als Direktor für Fernlehre und Technologie in der Abteilung Weiterbildungsstudiengänge tätig war. Jetzt hat er eine Teilzeitprofessur an der Universitat Oberta de Catalunya (UOC) in Barcelona inne. An der UOC ist er für den Aufbau eines Forschungsprogramms über e-Learning zuständig, das sich auf drei Bereiche konzentriert: Strategie, Lehre in virtuellen Umgebungen und Internetdienste und Inhaltsmanagement.

In diesem Interview lieferte uns Dr. Bates einige klare Ansichten zu vielen der Herausforderungen, die auf die Universitäten zukommen.

Lassen Sie uns mit einer prototypischen Frage beginnen: Wie sollte die Rolle der IKT in den „traditionellen“ Universitäten aussehen?

Tony Bates: Lassen Sie mich sagen, was ich gerne geschehen sehen würde. Ich würde gerne sehen, dass sich das e-Learning auf jene Bereiche konzentriert, in denen es den meisten Nutzen bringt. Es sollte strategisch eingesetzt werden und nicht allein ein Werkzeug sein, das eben alle benutzen. Wir sollten uns darüber klar sein, dass e-Learning, vor allem am Anfang, teuer und für Professoren zeitintensiv ist. Es erfordert viele Veränderungen, wenn man es richtig nutzen will.

Was meinen Sie mit strategischer Anwendung von e-Learning?

Es könnte bedeuten, e-Learning für neue Märkte zu nutzen, wie den Markt für lebenslanges Lernen, der sich selbst tragen wird. Es könnte auch heißen, IKT für konkrete pädagogische Zwecke in bestimmten Bereichen zu nutzen. Statistik ist zum Beispiel ein Bereich, in dem Studenten oft Probleme haben und wo man die Technologie, mit Grafiken, Video oder Animationen, einsetzen kann, um die Lehre wirklich zu unterstützen.

Warum wird e-Learning in der Hochschulbildung nicht mehr – und einfallsreicher – genutzt?

Da gibt es viele Gründe. Die Entwicklung von e-Learning bedeutet zusätzliche Arbeit, und forschende Hochschullehrer treffen sehr rationale Entscheidungen über die ihnen zur Verfügung stehende Zeit. Besonders in forschungsorientierten Universitäten gibt es den Konflikt, dass versucht wird, die Lehre auf ein Minimum zu beschränken, um mehr Zeit für die Forschung zu haben. Die Professoren würden es gerne sehen, wenn die IKT so eingesetzt würden, dass sie weniger Zeit auf die Lehre verwenden bräuchten, was schwierig ist.

Aber in einigen Bereichen kann e-Learning die Unterrichtszeit anscheinend tatsächlich verringern.

Ja, aber das geschieht nur, wenn die Kurse komplett neu gestaltet werden, um die Möglichkeiten der Technologie auszuschöpfen. In den Geisteswissenschaften, oder in Bereichen, in denen mehr Diskussionen und Dialoge erforderlich sind, muss der Professor sich sowohl bei der Gestaltung des Kurses als auch bei seiner Veranstaltung im hohen Umfang einbringen. Und solange das Vergütungssystem nicht geändert wird, und die Lehre nicht ebenso – oder höher – honoriert wird wie die Forschung, gibt es keinen Anreiz für Professoren, etwas zu ändern. Das ist ein großes Hindernis, wahrscheinlich das größte.

Könnte die mangelhafte didaktische Ausbildung von Professoren ein weiteres Hindernis sein?

Den Professoren mangelt es an pädagogischer Schulung, daher sind sie in keiner guten Ausgangslage, um ihre Lehrtätigkeit zu überdenken. Es gibt zwei Wege zur Lösung dieses Problems. Der eine ist, von den Professoren eine didaktische Ausbildung zu verlangen, was wieder mit dem Problem der Forschung kollidiert. Wenn man eine Lehrqualifikation von ihnen fordert, gehen sie wahrscheinlich zu einer anderen Universität, die dies nicht verlangt. Das ist ein systemweites Problem. Und um das System zu ändern, müsste der Staat eingreifen, und das mögen die Universitäten nicht.

Eine professionelle Lehrqualifikation für Professoren scheint nicht sehr realistisch zu sein... Was ist der zweite Weg zur Beteiligung von Akademikern an der Entwicklung des e-Learning?

Die Alternative zur Ausbildung ist für viele Professoren gleichermaßen unakzeptabel und besteht darin, mit professionellen Pädagogen, Unterrichtsgestaltern und Technikern, wie Webprogrammierern, im Team zusammenzuarbeiten. Mir scheint das der beste Weg für ihre Beteiligung an der Entwicklung des e-Learning zu sein. Sie müssen dann keine Experten für alles sein, sondern sich auf ihr Fachgebiet konzentrieren und darauf, wie sie es am besten lehren können, dabei jedoch offen für Vorschläge der Unterrichtsgestalter zur Umgestaltung ihrer Lehrtätigkeit zum Zweck der Einbindung der Technologie sein.

Und was ist mit den Studenten? Manche Studien zeigen, dass Universitätsstudenten e-Learning nur als Werkzeug betrachten, um das Lernen auf entfernte Gebiete auszudehnen, jedoch nicht als eine gute Lernmethode.

Sie müssen sich klarmachen, dass das e-Learning noch sehr jung ist. Die ersten Internetkurse begannen erst 1996. Es ist nicht überraschend, dass die breite Öffentlichkeit und die Studenten sich ihres Potenzials nicht voll bewusst sind. Außerdem kommt es auch darauf an, wen Sie fragen. Wenn Sie Studierende im Hauptstudium fragen, sehen diese e-Learning als nützliches Werkzeug, wollen aber nicht, dass es den persönlichen Kontakt mit dem Professor ersetzt. Sie mögen den sozialen Aspekt. Deswegen gehen sie zur Universität.

Haben arbeitende Lernende dieselbe – lassen Sie es mich so ausdrücken – skeptische Haltung zum e-Learning?

Ich habe ein Beispiel, das Ihre Frage illustriert. Die Studiengebühren in Kanada sind gerade gestiegen, sie betragen jetzt etwa 3000 Euro jährlich. Deshalb suchen sich viele Studenten Teilzeitjobs, und sie kümmern sich um e-Learning, weil es ihnen die Flexibilität ermöglicht, um ihre Teilzeitjobs herum zu arbeiten. Wenn sie Unterricht verpassen, können sie ihn wieder aufholen, indem sie online gehen. Und wenn sie arbeitende Menschen fragen, würden die meisten von ihnen lieber e-Learning nutzen als einen Campus besuchen zu müssen.

Das ist für mich ein Schlüsselaspekt. Es gibt viele Fachleute, die ihre Kenntnisse auf den neuesten Stand bringen müssen, und e-Learning ist ein ausgezeichneter Weg, um dies zu erreichen. Aber es scheint, dass sich nur wenige seines Potenzials bewusst sind.

Der Grund, warum viele das nicht erkennen, ist, dass es im Moment kein sehr umfangreiches Angebot gibt. Aber der Markt für berufliche Fortbildung würde auf Online-Programme reagieren, wenn sie von angesehenen Universitäten angeboten würden. Und das Problem ist, dass die angesehenen Universitäten, die Forschungsuniversitäten, auf dem Gebiet des lebenslangen Lernens nicht viel geleistet haben, weil sie es als zusätzliche Arbeit betrachten. Der Kniff wäre es also, ein ökonomisches Modell zu schaffen, mit dem man mehr Professoren an die Universitäten bringt, die aus beruflichen Fortbildungsprogrammen bezahlt werden. Diese Professoren müssen dann wirklich aus Studiengebühren bezahlt werden und ihre Studenten die volle Studiengebühr bezahlen. All das Geld kann dann an den universitären Fachbereich zurückfließen, so dass neue Professuren geschaffen werden können. So sollte das e-Learning den vorhandenen Professoren keine zusätzliche Arbeit machen. Und für die Fachbereiche wäre es ein Anreiz, sich mit e-Learning zu beschäftigen. Dieser Markt ist noch nicht gut erforscht, sicher nicht in Europa.

In welchem Ausmaß kann e-Learning standardisiert und in verschiedenen Kontexten wiederverwertet werden?

Da bin ich skeptisch. Es gibt einige Inhalte, die standardisiert werden können, Mathematik und Physik wahrscheinlich. Das Problem sind nicht die Inhalte. Ein großer Teil der Lehre beruht auf kulturellen und sozialen Grundlagen. Im industriellen Wirtschaftsmodell, in dem es Hierarchien gibt, funktioniert ein Übertragungsmodell für Informationen sehr gut, weil die Information von oben kommt, sie wird nicht in Frage gestellt. Besonders in sehr großen Universitäten gibt es eine vergleichbare Hierarchie, es gibt Professoren, Dozenten, Forscher, Studenten und so entspricht das Übertragungsmodell dem einer Industriegesellschaft.

Ich nehme an, Sie geben diesem Modell keine große Zukunft ...

Wenn man sich auf eine wissensbasierte Gesellschaft zu bewegt, wenn man mehr individuelle Verantwortung für das Lernen und das lebenslange Lernen braucht und sich ständig für die Arbeit weiterbilden muss, dann braucht man eine andere Art der Lehre. Man muss sich in Richtung Problemlösung und Fallstudien bewegen. Es ist eine andere Art, beispielsweise Physik zu lehren, bei der die Physik ein Mittel zum Zweck wird, kein Selbstzweck. Besonders in den beruflichen Bereichen wird es interdisziplinärer, mehr themen- und problemorientiert als inhaltsorientiert.

Was wären ihre Empfehlungen an Universitäten, die sich im Bereich e-Learning zu engagieren wünschen?

Ich denke, die Universitäten müssen Entwicklungsphasen durchlaufen. Die erste ist, was ich „die einsamen Reiter“ nennen würde, von der Technologie begeisterte Einzelpersonen, die auf eigene Faust damit arbeiten und experimentieren. In der zweiten Phase beginnen die „einsamen Reiter“, Druck auf die Universitätsleitung auszuüben, um Unterstützung und Ressourcen zu bekommen. Darauf folgt eine dritte Phase rasanter, unkoordinierter Aktivitäten, in der überall viele Dinge geschehen, aus denen zahlreiche Probleme resultieren. Dies führt zur vierten Phase mit Fokussierung, Taktiken und Prioritäten. In dieser Phase beginnt die Institution, strategisch zu denken: Welches sind die für e-Learning am besten geeigneten Bereiche? Welchen Strategien sollten wir folgen? Welche technische und pädagogische Unterstützung benötigen die Professoren? Die fünfte und letzte Phase wäre eine nachhaltige und qualitativ hochwertige Nutzung des e-Learning in ausgewählten Bereichen oder für bestimmte Zielgruppen.

Was würden Sie Institutionen raten, die sich in unterschiedlichen Phasen dieser Entwicklung befinden?

Ich denke, die meisten Institutionen befinden sich in der dritten Phase, der der unkoordinierten Aktivität. Mein Rat wäre es, einen Prozess in Gang zu setzen. Damit meine ich die Einsetzung eines Ausschusses, der Strategien und Prioritäten erörtert und einen Plan für das e-Learning erarbeitet. Zweitens sollten sie sicherstellen, dass das für die Durchführung erforderliche Personal fest angestellt wird. Eines der großen Probleme ist, dass Programmierer und Unterrichtgestalter auf Auftragsbasis beschäftigt werden. Sie leisten gute Arbeit, beginnen zu lernen, und dann läuft der Vertrag aus, und sie bekommen irgendwo anders einen Job. Es ist deshalb wichtig, eine entsprechende Personalpolitik zu betreiben und diesen Leuten eine klare Karrierestruktur zu bieten.

Was ist wichtiger, die von der Institution erarbeiteten Strategien oder die Bereitschaft einzelner Professoren?

Es ist sowohl ein Top-Down- als auch ein Bottom-Up-Prozess. Die Institution muss Strategien vorgeben. Aber es muss auch etwas von den Professoren kommen. Wenn die Akademiker sich nicht mit e-Learning beschäftigen wollen, dann wird es kein e-Learning geben.
Auf der Persönlichen Homepage von Tony Bates gibt es viele nützliche Informationen über seine Aktivitäten und Publikationen.

Lesen Sie auch den Artikel Virtuelle Modelle europäischer Universitäten, um sich einen umfassenden Überblick über die Situation des e-Learning an den Hochschulen zu verschaffen.