Plattform
eTwinning – Ein neuer Weg für europäische Schulen
Zu den besonderen Eigenschaften des eTwinning zählt die Existenz einer sehr aktiven Teilnehmerbetreuung auf nationaler und europäischer Ebene durch die Nationalen Koordinierungsstellen (NSS) bzw. die Zentrale Koordinierungsstelle (CSS) und einer Reihe von eingebauten Anreizen für Lehrkräfte in Form von Qualitätssiegeln.
Das berufliche Weiterbildungsprogramm für die eTwinning-Teilnehmer umfasst Workshops auf europäischer und nationaler Ebene, die eine Plattform für den Austausch zwischen Lehrern und die Verbreitung guter Praktiken bieten.
Herzstück der Initiative ist das Portal www.eTwinning.net, eine hoch entwickelte Kommunikationsplattform, die in 20 Sprachen zur Verfügung steht und eine große Auswahl an speziellen Werkzeugen für Lehrkräfte anbietet.
Ist eTwinning erfolgreich? In Anbetracht der Statistiken bezüglich der Anzahl der angemeldeten Schulen und Lehrkräfte muss die Antwort positiv ausfallen. Die Lehrer erkennen es als einfachen, unbürokratischen Weg zur gemeinsamen Umsetzung von Projekten im Rahmen einer hoch entwickelten Online-Plattform.
"Deutsche Schüler widmen ihre nachmittage immer mehr dem lernen mit Neuen Medien"
Derzeit schließt die Mehrheit deutscher Schulen mittags gegen eins, doch mit der Einführung von Ganztagsschulangeboten soll die Öffnung der Schulen bis 5 Uhr ermöglicht werden. Die Schüler werden mehr Zeit im Unterricht in der Schule verbringen und seitens des Ministeriums befürwortet man Konzepte, die in dem Rahmen den Einsatz der Neuen Medien verstärken sollen. Das letzte Wort hierzu haben die Landesministerien, doch die Tendenz zum IKT Einsatz ist eindeutig positiv.
Über diese Themen haben wir mit Ursula Esser gesprochen, sie ist verantwortlich für den internationalen Bereich bei Schulen ans Netz, eine Intitiative, die 1996 mit dem Auftrag betraut wurde, 34.000 Schulen zu vernetzen. Nachdem dieses Ziel erreicht ist, entwicklet Schulen ans Netz nun pädagogisch-didaktische Inhalte, die das Lernen mit Neuen Medien fördern, um den Lehrkräften den praktischen Einsatz von Computer und Internet im täglichen Unterrichtsalltag zu erleichtern.
Wie wird man das Mehr an Stunden neu organisieren und füllen?
Wir wollen spezielles Material anbieten, das die Lehrkräfte mit ihren Schülerinnen und Schülern am Nachmittag einsetzen können. Außerdem werden oftmals die Lernenden am Nachmittag nicht in ihren normalen Klassen unterrichtet sondern in AGs und kleineren Projektgruppen. Wenn ein Schüler beispielsweise Probleme mit Mathematik oder Fremdsprachen hat, kann er hierzu am Nachmittag spezielle Kurse besuchen. Dies können die Schüler dann mittels Neuer Medien tun und so gleichzeitig Medienkompetenz aufbauen.
Wie organisieren Sie den Aufbau von IKT Kenntnissen?
Wir befürworten das Arbeiten mit Medienkonzepten. Das heißt, die Schülerinnen und Schüler dokumentieren ihre Medienkenntnisse in einer Art Portfolio, so dass ein neuer Lehrer beispielsweise sehen kann, welche Fertigkeiten die Klasse besitzt, um darauf neue aufzubauen, sei es Mathematik und Excel oder bestimmte Hilsfunktionen von Word für den Sprachenbereich. Außerdem bekommen die Schüler am Ende der Schulzeit ein Zertifikat über die erworbenen Fertigkeiten.
Welche Fortbildungen bieten Sie den Lehrkräften an?
Das Durchschnittsalter deutscher Lehrkräfte ict relativ hoch und es gibt einen gewissen Widerstand gegen den Einsatz Neuer Medien. Manchmal sind die Schüler sicherer im Umgang mit den Neuen Medien als ihre Lehrer, was zu Konflikten führen kann. Andere Lehrkräfte sehen den Mehrwert der neuen Medien für ihren Unterricht nicht. Unsere Aufgabe ist es deshalb, deutlich zu machen, worin dieser Mehrwert besteht. In dem Zusammenhang haben wir das Angebot der Weblotsen, ein Team, das Fortbildungen anbietet, zunächst taten sie dies in den einzelnen Bundesländern direkt an den Schulen, inzwischen sind es mehr sog. Multiplikatorenschulungen, also Angebote für Schulleiter, Medienbeauftragte der Schulen, etc. Sie können dann wiederum das Kollegium fortbilden.
Ich nehme an, Sie bieten auch sehr spezifische Fortbildungen an?
Ja, wir haben 1 bis 2 Tagesschulungen für Lehrkräfte, die sich an der eTwinning Aktion beteiligen und lernen, Austausch mittels Neuer Medien zu realisieren. Wir zeigen ihnen, wie sie mit virtuellen Werkzeugen arbeiten, eine Webseite gestalten. Im nächsten Teil geht es dann um interkulturelle Fähigkeiten, die sie bei binationalen Schulpartnerschaften benötigen. Außerdem gibt es unser großes Portal Lehrer-online, auf dem sich Unterrichtsmaterial für alle Schulfächer und –formen befindet.
Werden die Portale von Schulen ans Netz von vielen Lehrern genutzt?
Tausende Lehrer loggen sich täglich bei uns ein. Und wir haben festgestellt, dass sie unsere Angebote mehr von zu Hause aus nutzen, was bedeutet, dass die Schulen ihnen immer noch nicht die Ausstattung bieten, die sie eigentlich brauchen. Was die Ausstattung angeht, hat Deutschland ein gewisses Maß erreicht, aber es ist einfach noch nicht gut genug.
Ich denke, in Deutschland hat man sich sehr mit der Frage der Chancengleichheit beschäftigt?
Ja, das stimmt. Wir haben beispielsweise das Portal Leanet, das sich an Frauen aus dem Bildungsbereich wendet. Das Portal soll sie zum Gebrauch von Computer und Internet motivieren, es werden Kurse angeboten, Materialien, Informationen zu Entwicklungen im Bildungsbereich, ein e-mail Account und vieles mehr. Außerdem gibt es www.lizzynet.de für Mädchen und junge Frauen, wo sie in Gruppenräumen zu ausgewählten Themen diskutieren können oder ihre eigene Webseite herstellen. Diese Angebote werden sehr gut genutzt.
Sind die Schulen motiviert, digitale Inhalte zu schaffen?
Da in Deutschland die Schülerzahl sinkt, müssen die Schulen sich immer stärker profilieren. Dies fördert beispielsweise auch die Erstellung guter Webseiten. Die weiterführenden Schulen haben eigentlich alle ihren Webauftritt und präsentieren ihre Aktivitäten und Projekte. Wir haben auch ein Angebot für die ganz Kleinen entwickelt, Primolo, mit dem auch Grundschulen ihre Homepage basteln.
Welche Rolle spielt hier die Technik?
Unser Motto ist ‘raus mit der Technik aus den Schulen’! Die Schulen sollen sich mit den pädagogischen Fragen befassen. Wir befürworten es deshalb, wenn sich die Schulen an große Netzwerke ankoppeln, die der Stadt, von Bibliotheken, etc.
Sie sind die Leiterin der Abteilung für Internationales bei Schulen ans Netz. Was können Sie ausländischen Lehrkräften anbieten?
Wir informieren über Entwicklungen und wichtige bildungspolitische Sachverhalte in Deutschland. Außerdem fördern wir den Austausch von Ideen, Know How und neuen Initiativen unter den europäischen Ländern. Es ist wichtig, Bildung und Fortbildung nicht als nationale Angelegenheit zu betrachten.
Schulen ans Netz ist Nationale Koordinierungsstelle für die eTwinning Aktion der Europäischen Kommission und wir unterhalten sehr engen Kontakt mit den Nationalen Koordinierungsstellen in den anderen europäischen Ländern, um Schulen und Lehrkräfte in Kontakt zu bringen. Die Informationen zu unseren Aktivitäten finden Sie auf unseren Seiten auch in englisch, französisch und spanisch.


