Strategien
Einführung von Online-Ressourcen in universitären Face-to-Face-Kontexten. Aus der Sicht der Studierenden
Der Bericht gibt die Sichtweisen der an diesem Experiment beteiligten Studierenden wider. Wir verfügen über Angaben von 243 Studierenden aus sieben Kursen, aus denen wir gelernt haben, dass:
a) Studierende nicht auf die effektive Anwendung neuer Medien zum Lernen vorbereitet sind und Volltextversionen für ihre Arbeit bevorzugen. Die digitale Lese- und Schreibfähigkeit unserer Studierenden reicht nicht aus, um Zugang zu Wissen über digitale Medien zu bekommen;
b) Online-Kommunikation zwischen Studierenden und Lehrenden über E-Mail verbreiteter ist als über andere Werkzeuge (Foren, Noticeboards u.a.) und das Lernen von Websites von beiden Seiten nicht ausreichend geschätzt wird;
c) Studierende eine positive Meinung über IKT haben, aber nicht wirklich davon begeistert sind;
d) sie im Verlauf dieses Experiments ihre Computer nicht stärker verwendet haben, aber dass sie sich in der Anwendung von IKT-Tools verbessert haben;
e) Personen mit einem höheren Bildungsstand verstehen, dass IKT mehr als eine zum Lernen nützliche Quelle ist, dass sie es für die Arbeit nutzen können und dass sie der Möglichkeit, mit diesen Technologien für den Erwerb ihrer Qualifikation arbeiten zu können, einen hohen Stellenwert zumessen;
f) eine wichtige Problemquelle für die Online-Arbeit in der Art und den Möglichkeiten des verwendeten LMS liegt.
Wir haben durch diesen Bericht schließlich verstanden, dass das wichtigste Element für die Einführung von IKT in der Hochschule die in den Kursen angewandte Methodik ist. Sie ist zu einer neuen Grenze geworden und muss gründlich untersucht werden.
Neues wissen, neues lernen und wertschöpfung (Der Faden der Ariadne)
- Wissenschaftliche Betriebsführung (~1922 bis ~1932)
- Staatliche Regulierung (~1932 bis ~1946)
- Marketing und Diversifizierung (~1946 bis ~ 1960)
- Strategie und Gesellschaftlicher Wandel (~1960 bis ~ 1972)
- Wettbewerb und Restrukturierung (~ 1972 bis ~ 1988)
- Globalisierung und Wissen (~1988 bis ~ ?)
So ist also, wenn wir davon ausgehen, dass das Wissen derzeit die Antriebskraft der Wirtschaft darstellt, das Lernen ihr Treibstoff. Und darum ist das lebenslange Lernen sowohl für den Einzelnen als auch für Organisationen (Organisationen, die lernen) die große Herausforderung des neuen Jahrhunderts.
Dennoch fehlt der Wertschöpfungskette – Daten-Information- Wissen-Lernen– das letzte Glied, das (sowohl für die Personen als auch für die Organisationen) wirklich Wohlstand schafft. Dieses letzte Glied ist die Sinnschöpfung2.
Das Wissen gewinnt so neue Konnotationen: es ist polysem, von nicht fragmentarischen Regeln regiert, es wird eher subjektiv aufgebaut als dass es sich objektiv materialisiert, und seine Konkurrenzfähigkeit liegt im stillen Kapital des durch Erfahrung erworbenen Wissens. Das Wissensmanagement ist untrennbar mit den Menschen verbunden, die Wissen schaffen, es bereichern, es verbreiten und ihm auf der Basis der Nützlichkeit des Wissens einen Mehrwert verleihen.
Das Lernen durchläuft auch einen bemerkenswerten Wandel. Was die Personen betrifft, kann die neue Art des Lernens in jedem Alter, an jedem Ort und über jeden beliebigen Zeitraum stattfinden. Im Bereich der Organisationen setzt das strategische Management auf die so genannten "biologischen" Unternehmen, das heißt, auf jene Unternehmen, die durch Entwicklung und Anpassung lernen (im Gegensatz zu "mechanischen" Organisationen, die einfach weiter das tun, was sie immer getan haben). In diesem neuen Unternehmensmodell sind der Gemeinschaftsgeist, der Wert des Sozialkapitals, Kooperationsnetze, auf Vertrauen basierende Beziehungen und Übungsgemeinschaften die wesentlichen Sprungbretter der Entwicklung. In diesem neuen Lernen, sei es individuell oder auf Organisationsebene, spielen die Personen wieder eine Hauptrolle.
In diesem Kontext ist das Management von Menschen und Gemeinschaften das Hauptthema für die Studien und Debatten im neuen Jahrhundert.
In der Realität bestehen Organisationen aus "sentipensanten"3 Individuen, die in Zweck- und Sinngemeinschaften leben, da dies der wahre und maßgebliche Ausgangspunkt für die Wertschöpfung, die Schaffung von Wohlstand und den Fortschritt der Nationen ist: Wir verwandeln nur jene Informationen in Wissen, die wir in kohärente Muster eingliedern können, und wir lernen nur das wirklich, was einen Sinn ergibt.
Das intellektuelle Kapital4, das sich als Motor der gegenwärtigen Ökonomien erweist, ist daher das Ergebnis einer klugen Kombination von humanem und strukturellem Kapital, die dazu geeignet ist, für die Organisationen Wert zu fördern und zu schaffen. Die neuen Wertketten und -netze, die die Hauptquelle von Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit darstellen, basieren einerseits auf menschlichem Wissen und menschlichen Kompetenzen und andererseits auf der Effizienz der Organisationen bei der Integration dieser immateriellen Ressourcen zum Zweck der Innovation und um sich von der Konkurrenz abzuheben.
Daher sollte es uns nicht überraschen, dass die Regierung von Singapur, also dem Land, das bei der großen Mehrheit der von den internationalen Organisationen betriebenen standardisierten Wissenstests den ersten Platz einnimmt, seine neue Entwicklungsstrategie um vier fundamentale Kernaspekte des Lernens herum anordnet5:
- Wissenskapital: Die schulischen Lehrpläne sollen um 20 % reduziert werden, um den Schülern Gelegenheit zu geben, sich mit dem Lösen komplexer, interdisziplinärer Probleme zu befassen.
- Ideenkapital: Das Ideenkapital besteht in der Förderung neuer Ökosysteme, die der Innovation und der unternehmerischen Initiative "freundlich gesinnt" sind.
- Emotionales Kapital: Das emotionale Kapital zielt darauf ab, ein Umfeld der emotionalen Stabilität und der Ruhe zu schaffen, das geeignet sind, die besten Teams und das beste internationale Kapital zu halten.
- Soziales Kapital: Das soziale Kapital ist auf nachhaltige Beschäftigung und die Verdichtung der grundlegenden Gemeinschaftsnetze ausgerichtet.
Wir erleben eine neue Epoche, eine komplexe Epoche, die gleichzeitig eine Herausforderung darstellt. Und diese neue Epoche wird, so wie es schon in den letzten 250 Jahren der Fall war, von der Technologie vorwärts katapultiert.
Carlota Pérez schreibt in einer sehr anregenden Art über die Lektion, die wir aus den "historischen Regelmäßigkeiten" lernen sollten6. Auf der Grundlage ihrer Forschung über die technischen Revolutionen der letzten 250 Jahren legt die Autorin dar, dass jede neue Wirtschaftsepoche von großen technologischen Sprüngen vorwärts katapultiert worden ist, die sich auf zweierlei Weise manifestieren:
- Das Erscheinen leistungsfähiger Cluster neuer Produkte und Dienstleistungen sowie neuer Infrastrukturnetze.
- Die Konsolidierung eines neuen technisch-ökonomischen Paradigmas, das charakterisiert wird durch: neue generische Technologien mit breiten Anwendungsbereichen, neue Organisationsprinzipien, verschiedene Geschäftsmodelle und Infrastrukturen, die geringe Kosten ermöglichen (Auslöser von in Produktivitätssteigerungen quantifizierbaren Sprüngen).
Carlota Pérez zufolge befindet sich die Menschheit heute an einem "entscheidenden Punkt" der jüngsten technischen Revolution. Auf die Periode der Einführung der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT), die – mit ihren Folgeerscheinungen der "destruktiven Schöpfung" und eines neuen sozialen Paradigmas, der Informations- und Wissensgesellschaft – in den letzten dreißig Jahren stattgefunden hat, könnte eine Periode der praktischen Umsetzung und der Entfaltung des vollen Potenzials des triumphierenden neuen Paradigmas folgen. Laut der Analyse der Forscherin ist die Zwischenperiode, in der wir leben – der "entscheidende Punkt" – durch Instabilität, Ungewissheit, platzende Spekulationsblasen und institutionelle Reorganisation gekennzeichnet.
Sollte sich diese Interpretation als zutreffend herausstellen, dann werden unsere "ehrwürdigen" Institutionen – wie die Schule, die Universität, die Regierung und die Unternehmen selbst – jetzt dem Druck der dringenden Herausforderung einer strukturellen Anpassung und umfassenden Reform ausgesetzt sein.
Die Schöpfung von Neuem im Bereich des Wissens und des Lernens hängt davon ab, in welchem Maße es den Menschen gelingt, mit Hilfe der neuen Technologien zu erneuern, zu regieren, zu arbeiten, zu kommunizieren und Wert zu schaffen.
E-Learning und b-Learning stellen heute mächtige Werkzeuge zur Steigerung des Wertes der Personen und zur Beschleunigung des Lernens und der Innovation innerhalb der Organisationen dar. Das neue Wissen und die neuen Lernmethoden, intensiv gefördert von den neuen Kommunikationstechnologien, sind der Faden, der es uns erlauben wird, den schwindelerregenden Wandel, der uns erwartet, unversehrt zu überstehen.
Was ans Licht kommt, ist daher – über die segmentierte Sicht auf das Thema, die die eine oder die andere Technologie bietet, hinaus – die große Herausforderung, das Lernen nach Maßgabe eines neuen Paradigmas komplett neu zu konzipieren, mit anderen Worten: in Begriffen des neuen Lernens zu denken.
Die antike griechische Mythologie berichtet davon, dass Theseus, nachdem er den Minotaurus getötet hatte, dank des Fadens der Ariadne aus dem Labyrinth herausfinden und die anderen, die sich darin verirrt hatten, retten konnte.
Wie damals, kann uns der Faden der Ariadne auch heute retten.
Roberto Carneiro
Universidade Católica Portuguesa
So ist also, wenn wir davon ausgehen, dass das Wissen derzeit die Antriebskraft der Wirtschaft darstellt, das Lernen ihr Treibstoff. Und darum ist das lebenslange Lernen sowohl für den Einzelnen als auch für Organisationen (Organisationen, die lernen) die große Herausforderung des neuen Jahrhunderts.
Dennoch fehlt der Wertschöpfungskette – Daten-Information- Wissen-Lernen– das letzte Glied, das (sowohl für die Personen als auch für die Organisationen) wirklich Wohlstand schafft. Dieses letzte Glied ist die Sinnschöpfung2.
Das Wissen gewinnt so neue Konnotationen: es ist polysem, von nicht fragmentarischen Regeln regiert, es wird eher subjektiv aufgebaut als dass es sich objektiv materialisiert, und seine Konkurrenzfähigkeit liegt im stillen Kapital des durch Erfahrung erworbenen Wissens. Das Wissensmanagement ist untrennbar mit den Menschen verbunden, die Wissen schaffen, es bereichern, es verbreiten und ihm auf der Basis der Nützlichkeit des Wissens einen Mehrwert verleihen.
Das Lernen durchläuft auch einen bemerkenswerten Wandel. Was die Personen betrifft, kann die neue Art des Lernens in jedem Alter, an jedem Ort und über jeden beliebigen Zeitraum stattfinden. Im Bereich der Organisationen setzt das strategische Management auf die so genannten "biologischen" Unternehmen, das heißt, auf jene Unternehmen, die durch Entwicklung und Anpassung lernen (im Gegensatz zu "mechanischen" Organisationen, die einfach weiter das tun, was sie immer getan haben). In diesem neuen Unternehmensmodell sind der Gemeinschaftsgeist, der Wert des Sozialkapitals, Kooperationsnetze, auf Vertrauen basierende Beziehungen und Übungsgemeinschaften die wesentlichen Sprungbretter der Entwicklung. In diesem neuen Lernen, sei es individuell oder auf Organisationsebene, spielen die Personen wieder eine Hauptrolle.
In diesem Kontext ist das Management von Menschen und Gemeinschaften das Hauptthema für die Studien und Debatten im neuen Jahrhundert.
In der Realität bestehen Organisationen aus "sentipensanten"3 Individuen, die in Zweck- und Sinngemeinschaften leben, da dies der wahre und maßgebliche Ausgangspunkt für die Wertschöpfung, die Schaffung von Wohlstand und den Fortschritt der Nationen ist: Wir verwandeln nur jene Informationen in Wissen, die wir in kohärente Muster eingliedern können, und wir lernen nur das wirklich, was einen Sinn ergibt.
Das intellektuelle Kapital4, das sich als Motor der gegenwärtigen Ökonomien erweist, ist daher das Ergebnis einer klugen Kombination von humanem und strukturellem Kapital, die dazu geeignet ist, für die Organisationen Wert zu fördern und zu schaffen. Die neuen Wertketten und -netze, die die Hauptquelle von Wohlstand und Wettbewerbsfähigkeit darstellen, basieren einerseits auf menschlichem Wissen und menschlichen Kompetenzen und andererseits auf der Effizienz der Organisationen bei der Integration dieser immateriellen Ressourcen zum Zweck der Innovation und um sich von der Konkurrenz abzuheben.
Daher sollte es uns nicht überraschen, dass die Regierung von Singapur, also dem Land, das bei der großen Mehrheit der von den internationalen Organisationen betriebenen standardisierten Wissenstests den ersten Platz einnimmt, seine neue Entwicklungsstrategie um vier fundamentale Kernaspekte des Lernens herum anordnet5:
Wir erleben eine neue Epoche, eine komplexe Epoche, die gleichzeitig eine Herausforderung darstellt. Und diese neue Epoche wird, so wie es schon in den letzten 250 Jahren der Fall war, von der Technologie vorwärts katapultiert.
Carlota Pérez schreibt in einer sehr anregenden Art über die Lektion, die wir aus den "historischen Regelmäßigkeiten" lernen sollten6. Auf der Grundlage ihrer Forschung über die technischen Revolutionen der letzten 250 Jahren legt die Autorin dar, dass jede neue Wirtschaftsepoche von großen technologischen Sprüngen vorwärts katapultiert worden ist, die sich auf zweierlei Weise manifestieren:
Carlota Pérez zufolge befindet sich die Menschheit heute an einem "entscheidenden Punkt" der jüngsten technischen Revolution. Auf die Periode der Einführung der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT), die – mit ihren Folgeerscheinungen der "destruktiven Schöpfung" und eines neuen sozialen Paradigmas, der Informations- und Wissensgesellschaft – in den letzten dreißig Jahren stattgefunden hat, könnte eine Periode der praktischen Umsetzung und der Entfaltung des vollen Potenzials des triumphierenden neuen Paradigmas folgen. Laut der Analyse der Forscherin ist die Zwischenperiode, in der wir leben – der "entscheidende Punkt" – durch Instabilität, Ungewissheit, platzende Spekulationsblasen und institutionelle Reorganisation gekennzeichnet.
Sollte sich diese Interpretation als zutreffend herausstellen, dann werden unsere "ehrwürdigen" Institutionen – wie die Schule, die Universität, die Regierung und die Unternehmen selbst – jetzt dem Druck der dringenden Herausforderung einer strukturellen Anpassung und umfassenden Reform ausgesetzt sein.
Die Schöpfung von Neuem im Bereich des Wissens und des Lernens hängt davon ab, in welchem Maße es den Menschen gelingt, mit Hilfe der neuen Technologien zu erneuern, zu regieren, zu arbeiten, zu kommunizieren und Wert zu schaffen.
E-Learning und b-Learning stellen heute mächtige Werkzeuge zur Steigerung des Wertes der Personen und zur Beschleunigung des Lernens und der Innovation innerhalb der Organisationen dar. Das neue Wissen und die neuen Lernmethoden, intensiv gefördert von den neuen Kommunikationstechnologien, sind der Faden, der es uns erlauben wird, den schwindelerregenden Wandel, der uns erwartet, unversehrt zu überstehen.
Was ans Licht kommt, ist daher – über die segmentierte Sicht auf das Thema, die die eine oder die andere Technologie bietet, hinaus – die große Herausforderung, das Lernen nach Maßgabe eines neuen Paradigmas komplett neu zu konzipieren, mit anderen Worten: in Begriffen des neuen Lernens zu denken.
Die antike griechische Mythologie berichtet davon, dass Theseus, nachdem er den Minotaurus getötet hatte, dank des Fadens der Ariadne aus dem Labyrinth herausfinden und die anderen, die sich darin verirrt hatten, retten konnte.
Wie damals, kann uns der Faden der Ariadne auch heute retten.
Roberto Carneiro
Universidade Católica Portuguesa
- Beilage "Harvard Business Review" 1997: 75 Years of Management - Ideas and Practice 1992-1997.
- Carneiro, R.: La educación, el aprendizaje y el sentido. Encuentro „Sentidos de la Educación – Cultivar la Humanidad“, Santiago de Chile : OREALC/UNESCO, 2005.
- Dieser Begriff wurde erstmals Eduardo Galeano in The Book of Embraces (1989) verwendet, um eine Weise der Reflexion zu definieren, die Fühlen und Denken, Intuition und Realität, miteinander verknüpft.
- Stewart, T.: Capital Intelectual: A Nova Riqueza das Organizações. Lissabon : Ed. Sílabo, 1999.
- Carneiro, R.: Informação, Conhecimento e Pessoas. In: Caixa em Revista, Lissabon : CGD, 2005, S. 26-29.
- Pérez, C.: Technological Revolutions and Financial Capital: The Dynamics of Bubbles and Golden Ages. Cheltenham : Edward Elgar, 2002.
eTwinning: Mehr als 10 000 Schulen sind schon dabei!
„eTwinning ist ein neuer Aktionsansatz, der die europäische Bildungspolitik ergänzt“, so der Kommissar für allgemeine und berufliche Bildung, Kultur und Mehrsprachigkeit, Jàn Figel’. „Die eTwinning-Aktion ist anders als unsere anderen Bildungsprogramme: Aus dieser Aktion werden keine Einzelprojekte finanziert, sondern eine Infrastruktur, Instrumente und Dienstleistungen zur Verfügung gestellt, um es den Schulen möglichst leicht zu machen, unterschiedlichste Partnerschaften einzugehen – von zeitlich eng begrenzten Projekten bis zu einer längerfristigen Zusammenarbeit in einem beliebigen Unterrichtsfach. Das Angebot ist kostenlos und kommt ohne viel Verwaltungsaufwand aus. Das Portal ist eine sehr wirkungsvolle Methode, um den Einsatz von IKT, Sprachen und interkulturellen Kompetenzen in der Schule zu fördern.
eTwinning sorgt für Innovation im Unterricht und motiviert die SchülerInnen zum Lernen. SchülerInnen, Lehrkräfte, SchulleiterInnen, BibliothekarInnen und anderes Schulpersonal nutzen eTwinning, um das Schulleben um eine europäische Dimension zu bereichern. Mithilfe des Internets arbeiten sie auf unterschiedlichste Weise mit ihren Partnern in anderen Ländern zusammen: Sie chatten, schicken E-Mails und tauschen Ideen und Lernunterlagen aus. Thérèse Hagberg, eine schwedische Lehrerin in der Sekundarstufe I sagte: „eTwinning hat unsere europäischen Kontakte gefördert und unsere Schule für die Welt um uns herum geöffnet.“
Im Jänner 2006 sollen erstmals die besten eTwinning-Projekte mit Preisen ausgezeichnet werden. Schulen, die sich an diesem Wettbewerb beteiligen möchten, reichen ihre Projektergebnisse bis zum 27. November 2005 über das eTwinning-Portal ein. Die Preisverleihung findet bei der eTwinning-Konferenz am 13. Jänner 2006 in Linz in Österreich statt. Mehr dazu finden Sie auf dem eTwinning-Portal der Europäischen Kommission.
Neue Textformen im elektronischen Zeitalter. Ein Lehransatz
Seit dem ersten Auftreten der elektronischen Presse sind einige Jahre vergangen. Viele Pressemedien haben entsprechende Webseiten angelegt, um ihre Inhalte dort teilweise oder in Gänze zu präsentieren. Es gibt auch andere Websites, die so genannten Portale, die ausschließlich für das neue Medium geschaffen wurden.
Der elektronische Journalismus ist eine Herausforderung für die traditionelle Rolle des Journalisten, der den Fluss der Nachrichten filtert und daraus auswählt. Das Fernseh-, Radio- und Publikationsmodell basiert auf der „Einer spricht, viele hören zu“-Konvention. Ein Sender versorgt gleichzeitig viele Empfänger, die nicht antworten können. Auf diese Art funktioniert z. B. das Fernsehen als Unterdrückungstechnologie. Der Einzelne ist ein passiver Zuschauer/Verbraucher des Fernsehprodukts. Die geringe Sozialmoral des Fernsehens geht mit der Wucht des Mediums einher. Über den der Jagd nach der Einschaltquote entspringenden Mangel an moralischen Prinzipien ist viel geschrieben worden. Das Internet hingegen kann dazu dienen, das Monopol in der Informationsverteilung in seine Schranken zu weisen. Das Internet gibt uns die Möglichkeit, die Standpunkte von Journalisten von verschiedenen Websites zu vergleichen, sie liegen nur einen Mausklick voneinander entfernt. Das System der freien Nachrichtenzirkulation stellt eine echte Bedrohung für die Massenmedien und das Nachrichtenwesen dar. Wie können sie profitabel sein, wenn jeder ein Nachrichtenproduzent werden kann, ohne Einschränkungen oder Zensur, oder wenn es einen freien Nachrichtenaustausch gibt?
Das neue Medium weist im Vergleich zum herkömmlichen Zeitungsblatt einige Besonderheiten auf. Es gibt dem Autor die Möglichkeit, den Inhalt des Blattes sooft es ihm beliebt, zu erneuern. Dadurch verliert der Text seine Endgültigkeit und gewinnt dafür an Eindringlichkeit und Direktheit. Die Webseiten großer Nachrichtenunternehmen werden mit Hilfe von Internet-Publikationssystemen minütlich aktualisiert. Während eine Zeitung, wenn sie erst einmal gedruckt ist, nicht mehr aktueller werden und die letzten Entwicklungen nicht mehr berücksichtigen kann, kann eine Webseite 24 Stunden am Tag auf aktuelle Ereignisse eingehen. Bestimmte Webseiten ermöglichen es ihren Lesern, an Diskussionen teilzunehmen, in so genannten „Foren“ oder „Forums“. Das Medium ist in seiner elektronischen Form eindeutig interaktiver. Kann hier von bidirektionaler Kommunikation die Rede sein? Der Leser oder die Leserin sieht den an die Zeitung geschickten Text, wie die anderen Besucher der Webseite, sofort auf dem Bildschirm.
Mit einem Mausklick kann an Foren im Internet teilgenommen werden. Die Technikverliebten stellen sich vor, dass diese allmählich die parlamentarischen Aktivitäten ersetzen und uns der Demokratie der antiken griechischen Polis näher bringen könnten. Die Informationskonsumenten erleben gerade die dritte Revolution in der Geschichte der Massenmedien (Buchdruck, elektronische Medien, das Internet). Da das Kommunikationsfeedback in der Kommunikationsform enthalten ist, befreit uns die Technologie von den Beschränkungen der traditionellen Massenmedien.
Das elektronische Medium erlaubt es der Internetversion der Zeitung, vielfältiges audiovisuelles Material, eine Fülle von Fotografien, Videos und Klangdokumenten einzubeziehen. Die Präsentation der Nachrichten verändert sich durch die Einbeziehung verschiedener Medienformen stark. Im Fall der elektronischen Zeitungen, die eine Fülle von Nachrichtenmaterial umfassen, ist es für den Leser von grundlegender Wichtigkeit, Fertigkeiten zur Handhabung und Verarbeitung der neuen, elektronischen Daten zu entwickeln. Die Fähigkeit digitaler Texte, in Sekunden um die ganze Welt verbreitet, verändert und veröffentlicht zu werden sowie Bild- und Tonmaterial zu enthalten, stellt eine Herausforderung für die Journalisten dar. Die Herausforderung, neue Formen des Schreibens und der Kommunikation mit ihrem Publikum zu entwickeln.
Eine elektronische Nachrichtenpublikation kann ihr Publikum während der Arbeitszeit erreichen, in der es traditionellerweise nicht üblich ist, fernzusehen oder die Zeitung zu lesen. Die Arbeitskraft vor dem Computerbildschirm kann leicht ein paar Klicks einschieben, um über den Nachrichtenfluss informiert zu bleiben, vor allem, wenn ein Ereignis besonders wichtig für ihn ist.
Die Hypertextstruktur der Nachrichten-Webseiten bindet die Leser dynamisch in die Erkundung ihres Inhalts ein. Die Strukturierung des Textes durch die Wahl des einen oder anderen Lesepfades beeinflusst die Bedeutung des Textes selbst, der ständig weiter gestaltet wird. Dadurch wird die Leseerfahrung bereichert. Darüber hinaus erlauben es die Webseiten vieler Nachrichtenagenturen ihren Lesern, eigene Versionen der Seite gemäß den eigenen Interessen zusammenzustellen. Das heißt, ein Besucher der Webseite kann Nachrichten, die ihn interessieren, zusammenstellen und speichern, woraufhin ihm, jedes Mal, wenn er zu dieser bestimmten Webseite zurückkehrt, eine Liste der entsprechenden Themen vorgelegt wird. Im Fall von Nachrichten-Webseiten bezeichnet der Begriff Interaktion die Anpassung der Kommunikation an den Benutzer. Dies ist eine wichtige Veränderung, mit der wir uns noch nicht vertraut gemacht haben. Sie bedeutet, dass das, was wir dem Leser präsentieren, in einem „übertragenen“ Sinn auflebt und Intelligenz erlangt. Während die traditionellen Medien, wie das Fernsehen, das Kino, das Theater oder das Buch, „gelesen werden“, neigen die interaktiven dazu, eine Beziehung zwischen den Nachrichten und dem Leser aufzubauen, die auf dem Dialog des Menschen mit der Maschine basiert. Die Internetnutzer haben sich, notgedrungen, zu misstrauischen Profis entwickelt. Sie fühlen sich unbehaglich, wenn sie keine Meinungen vorfinden, die den dominierenden widersprechen oder wenn sie die erhaltenen Information nicht verifizieren. Die Websites großer Nachrichtendienste werden oft von Hackern angegriffen, die versuchen, ihren Inhalt zu verändern. Am 13. Juni 2001 verbreitete die BBC-Webseite nach einem Hackereinbruch die gefälschte Nachricht vom Tod der Sängerin Britney Spears. Exklusive Nachrichten werden misstrauisch betrachtet. Selbst die marginalste Meinung steht nur wenige Mausklicks entfernt. Nach den Ereignissen des 11. September gab es viele Zuschauer, die eine Alternative zu CNN.com suchten. Es ist kein Zufall, dass die Webseite der Al-Dschasīra-Gruppe (engl. Al Jazeera), als Reaktion auf die erhöhte Zahl von Besuchen westlicher Nutzer, bald darauf eine englische Version bekam.
Das Internet eröffnet uns eine breitere Perspektive. Theoretisch gibt es uns die Möglichkeit, alle Zeitungen der Welt zu lesen, alle Kanäle, Diskussionen und Vorträge sehr einfach und ökonomisch mitzuverfolgen. Der Surfer formt sein eigenes Informationsmosaik aus Seiten und Sites, Meinungen und Versionen.
Sehr wesentlich ist auch, dass Rechercheure ihre Recherche in Zeitungsarchiven vergangener Jahrgänge betreiben können. Der Besucher gibt Suchwörter ein, und die Suchmaschine der Zeitung zeigt alle Artikel aus den vergangenen Jahren an, die die gesuchten Begriffe enthalten.
Der semiotische Wandel der Wege, auf denen Nachrichten verbreitet werden, wird in der gegenwärtigen Fachliteratur behandelt, während die Kommunikationstheorie es übernimmt, die neu geformte Kommunikationslandschaft zu deuten. Die Veranschaulichung von Schilderungen kann nicht als eine einfache Übersetzung von einem semiotischen Modus in einen anderen betrachtet werden. Wir müssen die semiotischen Eigenschaften der verschiedenen Modi verstehen, wenn diese in multimodalen Strukturen kombiniert werden.
Lehransatz
Wir leben in einem Zeitalter intensiver Veränderungen und schneller Entwicklungen, die neue Realitäten formen und gewohnte Gleichgewichte aus der Waage bringen. Neuerungen bringen Erschütterungen mit sich, weil Ihre Annahme, auf individueller wie auf gemeinschaftlicher Ebene, stets einen enormen Aufwand fordert.
In der gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation, in der die Macht der Massenmedien stetig größer wird und die Technologie sich rasch entwickelt, bleibt die Frage, in welchem Ausmaß sich die Botschaft durch die Veränderung und Diversifikation der Medien ändern könnte. Als Pädagogen müssen wir darauf reagieren, indem wir an die neuen Medien herangehen und die verschiedenen Methoden, sie zu lesen, untersuchen.
Unser Ziel ist es, den Lernenden zu helfen, die Fertigkeiten zu entwickeln, die man als Bürger in der Informationsgesellschaft braucht. Wir haben vor, den Informationsempfänger dazu auszubilden, ein aktiver Leser der Bedeutungen zu werden, die durch das Zusammenlaufen von Bild und Text im neuen Kontext der elektronischen Kommunikation entstehen. Alle Pädagogen stimmen darin überein, dass elektronische Texte wegen ihrer Multimodalität und Vielschichtigkeit eine verbesserte Lesekompetenz verlangen, um effektiv erfasst werden zu können.
Unser Lehransatz verfolgt die tägliche Entwicklung von Webseiten und verlangt von den Schülern, dass sie die Elemente erkennen, die die Meinung der Journalisten offenbaren (eine Aufgabe für Schüler der elften Klasse, im Kapitel „Verflechtung von Ereignis und Berichterstattung in den Nachrichten – Der Standpunkt des Journalisten in den Nachrichten“), dass sie die Wirkung der Nachrichten auf die Emotionen des Publikums und die Verhaltensweisen analysieren und, vor allem, dass sie sowohl die Sprache als auch die verschiedenen, von den neuen Medien eröffneten semiotischen Wege nutzen, um ihre Meinung zu einem seriösen Ereignis auszudrücken. Die Multimodalität der Texte ist eine Eigenschaft, die heutzutage von Erziehungs- und Kommunikationswissenschaftlern erforscht wird. In einem multimodalen Text findet Kommunikation in verschiedenen semiotischen Modi statt, von denen jeder eine spezielle und wichtige Funktion hat.
Die Herrschaft des geschriebenen Wortes ist heute zunehmend umstritten. Der verbreitete Gebrauch von Bildern in den elektronischen Medien trägt zu dieser Kritik bei. Das Lesen eines multimodalen Textes schließt seine sprachlichen und seine nichtsprachlichen Elemente (die Art der eingesetzten Fotografien, ihre Platzierung und Größe, die verwendete Schriftart und die benutzten Farben) ein. Es ist daher unerlässlich, dass wir Kriterien für die Entschlüsselung der verschiedenen verwendeten semiotischen Modi auswählen oder schaffen, wenn wir Bürger ausbilden wollen, die eine bewusste Auswahl treffen.
Unser Zeitalter hat einen Wandel der Textform erlebt. Das geschriebene Wort hat begonnen, audiovisuelle Reize mit einzubeziehen. Das ist unter anderem der schnellen Entwicklung der Technologie zuzuschreiben. Die Maßstäbe, die wir auf das Lesen von Texten angelegt haben, reichen nicht mehr aus. Wie können wir einen digitalen Text „lesen“, wenn seine Grenzen eher fließend als eindeutig sind? Reicht die Semiotik hier aus? Wird sie in der Lage sein, uns bei der Annäherung an die neuen, multimodalen Texte zu helfen?
Was, wenn wir zu dieser explosiven Kombination noch eine neue Textstruktur, nämlich den Hypertext, hinzufügen? Intertextualität im Internet ist konkret und real. Ein Link führt augenblicklich zu Bezugsstellen im selben oder in anderen Texten.
Ein Blatt ist statisch, schwarz auf weiß bedruckt – der Hypertext ist offen für Umgestaltung, ein offenes Grundgerüst, aus dem Leser ihren eigenen Text zusammenstellen können.
Visuelle Kommunikation
Bestimmte Forscher behaupten, dass wir dabei sind, eine „globale Sprache“ zu erschaffen, da das Bild Dominanz erlangt. Das vieldiskutierte Thema Globalisierung setzt eine solche Sprache voraus, da sie dazu neigt, Kommunikation zu neutralisieren. Andererseits dürfen wir nicht vergessen, dass unsere Art, ein Bild zu „lesen“, direkt mit unseren kulturellen Rezeptoren zusammenhängt. Die Kommunikation mittels Bildern gründet gezwungenermaßen auf einem verallgemeinerten ästhetischen Ansatz, wenn man sie als Kommunikationsmedium begreift, das über freie Assoziationen und die Analyse der Semiotik der Bilder funktioniert. Das vollständige Verstehen einer Fotografie beispielsweise verlangt in gewisser Weise ein „Lesen“ ihrer Sprache. Wir lesen nach bestimmten Regeln, die schnell und effektiv gefühlsgeladene Wünsche in uns anregen.
Wenn wir zu bewussten Bildbetrachtern werden wollen, müssen wir an den Filtern für ihre Wahrnehmung arbeiten.
Die Semiotik der Nachrichtenfotografie zielt darauf ab, dem Betrachter ein kreatives Bewusstsein anzuerziehen, das ihn in die Lage versetzt, von bestimmten Ereignissen oder Aktionen überzeugt zu werden. Die digitale Fotografie erleichtert jedoch die Manipulation von Fotografien, womit der durchschnittliche Betrachter leicht getäuscht werden kann. Bedauerlicherweise gibt es keine einfache Methode, die Echtheit eines Fotos zu überprüfen.
Saussure stellte fest, dass das Zeichen das Bindeglied zwischen dem Bezeichner (in unserem Fall dem fotografischen Bild) und dem Bezeichneten (dem Konzept) ist. Die daraus folgende Verbindung von Bezeichner und Bezeichnetem ist das Resultat freier Assoziationen.
Eine Fotografie kann Wissen und emotionale Intensität vermitteln. Die psychologische Wirkung der Analyse einer Fotografie auf einen Einzelnen oder eine Gruppe von Menschen kann beim Treffen von Entscheidungen ausschlaggebend sein.
In den meisten Fällen wird der Einzelne durch Fotografien der Realität ausgesetzt. Das fotografische Bild kann auf seine ureigene Weise soziale Probleme, Kriege, Träume und die Erwartung einer besseren Zukunft sowie das Umfeld, in der wir leben, aufnehmen. Es kann Informationen zu den Massenmedien beitragen sowie Ideen und Konflikte unterbauen. Die durch das „Lesen“ von Fotografien in sozialer oder historischer oder sogar in psychologischer Hinsicht erworbene Erfahrung ist beträchtlich.
Die menschliche Kultur hat sich unter Nutzung verschiedener Informationen aus visuellen, akustischen und anderen Arten von Zeichen entwickelt. Sprache ist nichts weiter als ein hierarchisches Kommunikationssystem zur Informationsübermittlung. Sie besteht aus Zeichen und ist daher ein semiotisches Kommunikationssystem. Die Zeichen sind weder isoliert, noch mangelt es ihnen an Struktur, sie bilden vielmehr geordnete Kommunikationssysteme. Eine Sprache muss erlernt werden, und ihre Aneignung ist das Ergebnis harter Arbeit. Genauso wie unsere Muttersprache eine bestimmte Syntax und grammatische Struktur hat, während das Verständnis ihres Aufbaus und die Fähigkeit, sich in ihr auszudrücken, Lernen erfordern, so hat auch eine visuelle Sprache, besonders die Sprache von Webseiten, ihre eigenen Elemente, die wir vollständig verstehen müssen, um uns in ihr ausdrücken zu können.
Folgerungen
Allgemein ausgedrückt bringt die Verwendung digitaler Medien während des Lehrvorgangs besondere Auswirkungen mit sich und verlangt den Einsatz flexibler Unterrichtsformen und techniken. Diese Techniken steigern die Aufmerksamkeit der Schüler im Unterricht und stärken ihre aktive Beteiligung am Lernprozess, so dass das Interesse des Schülers während des Unterrichtsprozesses erhalten bleibt.
"Deutsche Schüler widmen ihre nachmittage immer mehr dem lernen mit Neuen Medien"
Derzeit schließt die Mehrheit deutscher Schulen mittags gegen eins, doch mit der Einführung von Ganztagsschulangeboten soll die Öffnung der Schulen bis 5 Uhr ermöglicht werden. Die Schüler werden mehr Zeit im Unterricht in der Schule verbringen und seitens des Ministeriums befürwortet man Konzepte, die in dem Rahmen den Einsatz der Neuen Medien verstärken sollen. Das letzte Wort hierzu haben die Landesministerien, doch die Tendenz zum IKT Einsatz ist eindeutig positiv.
Über diese Themen haben wir mit Ursula Esser gesprochen, sie ist verantwortlich für den internationalen Bereich bei Schulen ans Netz, eine Intitiative, die 1996 mit dem Auftrag betraut wurde, 34.000 Schulen zu vernetzen. Nachdem dieses Ziel erreicht ist, entwicklet Schulen ans Netz nun pädagogisch-didaktische Inhalte, die das Lernen mit Neuen Medien fördern, um den Lehrkräften den praktischen Einsatz von Computer und Internet im täglichen Unterrichtsalltag zu erleichtern.
Wie wird man das Mehr an Stunden neu organisieren und füllen?
Wir wollen spezielles Material anbieten, das die Lehrkräfte mit ihren Schülerinnen und Schülern am Nachmittag einsetzen können. Außerdem werden oftmals die Lernenden am Nachmittag nicht in ihren normalen Klassen unterrichtet sondern in AGs und kleineren Projektgruppen. Wenn ein Schüler beispielsweise Probleme mit Mathematik oder Fremdsprachen hat, kann er hierzu am Nachmittag spezielle Kurse besuchen. Dies können die Schüler dann mittels Neuer Medien tun und so gleichzeitig Medienkompetenz aufbauen.
Wie organisieren Sie den Aufbau von IKT Kenntnissen?
Wir befürworten das Arbeiten mit Medienkonzepten. Das heißt, die Schülerinnen und Schüler dokumentieren ihre Medienkenntnisse in einer Art Portfolio, so dass ein neuer Lehrer beispielsweise sehen kann, welche Fertigkeiten die Klasse besitzt, um darauf neue aufzubauen, sei es Mathematik und Excel oder bestimmte Hilsfunktionen von Word für den Sprachenbereich. Außerdem bekommen die Schüler am Ende der Schulzeit ein Zertifikat über die erworbenen Fertigkeiten.
Welche Fortbildungen bieten Sie den Lehrkräften an?
Das Durchschnittsalter deutscher Lehrkräfte ict relativ hoch und es gibt einen gewissen Widerstand gegen den Einsatz Neuer Medien. Manchmal sind die Schüler sicherer im Umgang mit den Neuen Medien als ihre Lehrer, was zu Konflikten führen kann. Andere Lehrkräfte sehen den Mehrwert der neuen Medien für ihren Unterricht nicht. Unsere Aufgabe ist es deshalb, deutlich zu machen, worin dieser Mehrwert besteht. In dem Zusammenhang haben wir das Angebot der Weblotsen, ein Team, das Fortbildungen anbietet, zunächst taten sie dies in den einzelnen Bundesländern direkt an den Schulen, inzwischen sind es mehr sog. Multiplikatorenschulungen, also Angebote für Schulleiter, Medienbeauftragte der Schulen, etc. Sie können dann wiederum das Kollegium fortbilden.
Ich nehme an, Sie bieten auch sehr spezifische Fortbildungen an?
Ja, wir haben 1 bis 2 Tagesschulungen für Lehrkräfte, die sich an der eTwinning Aktion beteiligen und lernen, Austausch mittels Neuer Medien zu realisieren. Wir zeigen ihnen, wie sie mit virtuellen Werkzeugen arbeiten, eine Webseite gestalten. Im nächsten Teil geht es dann um interkulturelle Fähigkeiten, die sie bei binationalen Schulpartnerschaften benötigen. Außerdem gibt es unser großes Portal Lehrer-online, auf dem sich Unterrichtsmaterial für alle Schulfächer und –formen befindet.
Werden die Portale von Schulen ans Netz von vielen Lehrern genutzt?
Tausende Lehrer loggen sich täglich bei uns ein. Und wir haben festgestellt, dass sie unsere Angebote mehr von zu Hause aus nutzen, was bedeutet, dass die Schulen ihnen immer noch nicht die Ausstattung bieten, die sie eigentlich brauchen. Was die Ausstattung angeht, hat Deutschland ein gewisses Maß erreicht, aber es ist einfach noch nicht gut genug.
Ich denke, in Deutschland hat man sich sehr mit der Frage der Chancengleichheit beschäftigt?
Ja, das stimmt. Wir haben beispielsweise das Portal Leanet, das sich an Frauen aus dem Bildungsbereich wendet. Das Portal soll sie zum Gebrauch von Computer und Internet motivieren, es werden Kurse angeboten, Materialien, Informationen zu Entwicklungen im Bildungsbereich, ein e-mail Account und vieles mehr. Außerdem gibt es www.lizzynet.de für Mädchen und junge Frauen, wo sie in Gruppenräumen zu ausgewählten Themen diskutieren können oder ihre eigene Webseite herstellen. Diese Angebote werden sehr gut genutzt.
Sind die Schulen motiviert, digitale Inhalte zu schaffen?
Da in Deutschland die Schülerzahl sinkt, müssen die Schulen sich immer stärker profilieren. Dies fördert beispielsweise auch die Erstellung guter Webseiten. Die weiterführenden Schulen haben eigentlich alle ihren Webauftritt und präsentieren ihre Aktivitäten und Projekte. Wir haben auch ein Angebot für die ganz Kleinen entwickelt, Primolo, mit dem auch Grundschulen ihre Homepage basteln.
Welche Rolle spielt hier die Technik?
Unser Motto ist ‘raus mit der Technik aus den Schulen’! Die Schulen sollen sich mit den pädagogischen Fragen befassen. Wir befürworten es deshalb, wenn sich die Schulen an große Netzwerke ankoppeln, die der Stadt, von Bibliotheken, etc.
Sie sind die Leiterin der Abteilung für Internationales bei Schulen ans Netz. Was können Sie ausländischen Lehrkräften anbieten?
Wir informieren über Entwicklungen und wichtige bildungspolitische Sachverhalte in Deutschland. Außerdem fördern wir den Austausch von Ideen, Know How und neuen Initiativen unter den europäischen Ländern. Es ist wichtig, Bildung und Fortbildung nicht als nationale Angelegenheit zu betrachten.
Schulen ans Netz ist Nationale Koordinierungsstelle für die eTwinning Aktion der Europäischen Kommission und wir unterhalten sehr engen Kontakt mit den Nationalen Koordinierungsstellen in den anderen europäischen Ländern, um Schulen und Lehrkräfte in Kontakt zu bringen. Die Informationen zu unseren Aktivitäten finden Sie auf unseren Seiten auch in englisch, französisch und spanisch.
IKT: Brücke zum Wissen oder neuer Faktor der Ausgrenzung?
Ein kurzer theoretischer Exkurs kann helfen, das Problem zu umreißen. Der Informationstheorie zufolge ist Wissen selbstreproduktiv: viel wissende soziale Gruppen erwerben leicht neues Wissen, während Gruppen mit beschränktem Wissen meist wissensarm bleiben. Mit anderen Worten: die Kluft zwischen den viel Wissenden und den wenig Wissenden vergrößert sich, weil Erstere Wissen schneller erwerben als Letztere. Der selbstreproduktive Charakter des Wissens in immer komplexer werdenden Strukturen ist offenbar systemimmanent und kennzeichnend sowohl für menschliche Gesellschaften als auch für Ökosysteme.
Dies findet seinen Niederschlag auch in den beiden grundlegenden widerstreitenden Theorien über die Rolle der neuen Technologien in der modernen Gesellschaft:
1. Die neuen Technologien sind ein weiterer Ausgrenzungsfaktor neben den klassischen Faktoren Alter, Armut, Analphabetismus usw. Die IKT können deshalb bestehende Probleme verschärfen.
2. Die neuen Technologien können helfen, „herkömmliche“ Ausgrenzungsfaktoren zu beseitigen, denn sie fördern neue Formen des Lernens und kommen vor allem den sozialen Gruppen zugute, die sich von den herkömmlichen Bildungswegen entfernt haben.
Die beiden Theorien sind diametral entgegengesetzt. Doch möglicherweise sind sie beide zutreffend. Welche Faktoren sind entscheidend dafür, welche Richtung in einem bestimmtem sozialen Gefüge oder Umfeld dominiert?
Sind die Informationstechnologien ein neuer Ausgrenzungsfaktor?
Einige Veröffentlichungen im Portal www.elearningeuropa.info geben Aufschluss darüber, inwieweit die neuen Technologien als Ausgrenzungsfaktor wirken können.
„Obstacles to Older People using Computers" (Was ältere Menschen daran hindert, Computer zu benutzen), von Melanie Lewin bietet interessante Einblicke in die Probleme älterer Menschen. Ältere Menschen sind insofern exemplarisch als mehrere Ausgrenzungsfaktoren sich auf sie konzentrieren: neben dem höheren Alter, die Armut (ihre Einkommen sind relativ niedrig), Behinderungen (körperliche Probleme sind weit verbreitet), das Bildungsniveau (unter dem Durchschnitt) und die Geschlechtszugehörigkeit (es gibt mehr ältere Frauen als ältere Männer) usw.
In diesem Kontext wirken die neuen Technologien bisher in der Tat eher ausgrenzend als integrierend. Ältere Menschen sind in der Informationsgesellschaft meist Außenseiter, was ihre soziale Marginalisierung noch verstärkt. Der 2002 veröffentlichten Studie „La Sociedad Red en Cataluña" (The Network Society in Catalonia) zufolge sind zum Beispiel in Katalonien 71,7% der 15- bis 19-Jährigen Internetnutzer, gegenüber nur 4,7% in der Altersgruppe der 60- bis 64-Jährigen. Auch wenn diese Prozentzahlen mit der Zeit steigen werden, so ist dennoch offensichtlich, dass in den überalterten westlichen Gesellschaften ein großer Teil der Bevölkerung keinen Zugang hat zu den immer vielfältigeren im Internet angebotenen Dienstleistungen. Am schwerwiegendsten dabei ist, dass viele ältere Menschen kein Interesse an der virtuellen Welt zeigen und die neuen Technologien als etwas empfinden, das „nicht für sie gemacht“ ist. Sie neigen deshalb dazu, so auch die These des französischen Soziologen Philippe Breton, sich selbst von den neuen Technologien auszuschließen. (siehe „Old People Feel Excluded from New Technologies” (Ältere Menschen fühlen sich von den neuen Technologien ausgeschlossen).
Es bedarf großer Anstrengungen, um diese Situation zu verbessern. Aufschlussreich ist hier der Bericht über Bildungssysteme für sonderpädagogische Erfordernisse in Europa. Bei sehr spezifischen und komplexen pädagogischen Bedürfnissen müssen die eLearning-Systeme die von den Lernenden benötigte Flexibilität einbringen und sich an ganz spezielle Erfordernisse anpassen. Vor allem müssen sie sich in eine umfassende und in sich schlüssige Bildungskonzeption integrieren. Es nützt zum Beispiel gar nichts, wenn man älteren Menschen einige wenige PC-Lektionen anbietet, sie aber anschließend nicht wissen, an wen sie sich mit den kleinen Informatikproblemen wenden können, die sich für PC-Neulinge täglich stellen. Das Bildungs- und Beratungsangebot ist an ganz spezifische Gegebenheiten und Erfordernisse anzupassen.
Der Charta für die soziale und digitale Eingliederung zufolge ist die digitale Kluft “ein multidimensionales Phänomen, das Barrieren unterschiedlichster Art beinhaltet. Einige von ihnen – die besorgniserregendsten – sind mentaler Natur. Sie zu beseitigen ist im Wesentlichen eine bildungsstrategische Aufgabe. Andere wiederum, wie Mangel an Zutrauen und Motivation sind benutzerabhängig. Es bestehen aber auch Barrieren, die in den eLearning-Systemen selbst ihren Ursprung haben: Entwicklung übertrieben formeller Systeme, nicht anpassungsfähige Technologien, Fehlen eines logischen Kontexts und generalistische Methoden, die den kulturellen und sozialen Kontext nicht berücksichtigen.”
Fördern die neuen Technologien die Eingliederung?
Andererseits wird den neuen Technologien auch Eingliederungspotenzial zugeschrieben. Eine spanische Studie hat ergeben, dass gerade die am wenigsten motivierten und leistungsschwächsten Schüler die größten Fortschritte machen, wenn Computer und digitale Materialien als Lehrmittel eingeführt werden (Siehe Artikel „Un estudio experimental sobre el impacto del ordenador en el aula" (Experimentelle Studie über das Lehrmittel Computer im Klassenzimmer). Darin wird die Meinung vertreten, dass die neuen Technologien eine „Umverteilungsrolle“ spielen können: sie beschleunigen das Tempo des Wissenserwerbs der wenige Wissenden, die sich dadurch dem Wissensniveau der viel Wissenden annähern. Und das ist so, weil die neuen Technologien zwei wesentliche Aspekte beeinflussen: die Motivation und den Lernprozess.
Höchst aufschlussreich, was die Motivation angeht, ist die Analyse von Wendy Jones in ihrem Artikel „The BBC and e-learning". Dank der Vielzahl der von ihr bereitgestellten Ressourcen und Plattformen (interaktives Fernsehen, Mobiltelefondienst, Webseiten usw.) hat die BBC ein Publikum erreicht, das formellen Lehrangeboten ablehnend gegenübersteht. Jones erklärt dies wie folgt: „Das von den neuen Technologien geschaffene Umfeld kann Lernbarrieren insbesondere bei den jungen Menschen überwinden. Für den Großteil der „Computerkids“ sind die neuen Technologien attraktiv und die IKT eher ein Element der Freizeitgestaltung“. Es ist nur ein kleiner Schritt von Computerspielen oder interaktivem Fernsehen zum eLearning.
Was die Lernprozesse an sich angeht, so aktivieren die neuen Technologien offenbar eine ganze Reihen kognitiver Vorgänge. Deshalb lässt sich ein Multimediasystem leicht an individuelle Lernstile anpassen. Dies wiederum macht es möglich, mehr Lernende anzusprechen und den Zugang zum Wissen zu verbreitern. Darüber hinaus, so Professor Tony Bates, „ermöglichen Multimediasysteme eine vielfältigere mentale Struktur als der klassische Unterricht“.
Den neuen Technologien wirken also in mancher Hinsicht eingliederungsfördernd. Viele eLearning-Projekte haben informellen Charakter und beinhalten spielerische Elemente; vielfach stützen sie sich auf partizipative Modelle mit Computerspielen und Simulationen; Die Vielfalt der Medien (Texte, Animationen, Videos usw.) wird unterschiedlichen Lernstilen gerecht. Voraussetzung für die eingliedernde Funktion ist jedoch ein angemessenes Umfeld, das den Zugang zu den neuen Technologien erst möglich macht. Und an einem solchen Umfeld mangelt es den ausgegliederten Gruppen.
Schlussfolgerung
Unter geeigneten Bedingungen können die neuen Technologien also offensichtlich zu einer besseren Wissensverteilung beitragen. Wissen wird auch weiterhin selbstreproduktiv sein, doch bewirken die IKT, dass benachteiligten Gruppen mehr Wissen präsentiert wird. Und es ist durchaus möglich, dass die IKT eine Angleichung des Lerntempos herbeiführen.
Erforderlich hierfür ist jedoch Mindestmaß an Zugang zu den IKT, denn nur dann können sie den Motivationsmangel und das bestehende Wissensdefizit überwinden helfen. Ist die Marginalisierung jedoch so ausgeprägt, dass ein Mindestzugang zu den Informationssystemen nicht gewährleistet ist, dann bilden die neuen Technologien einen neuen Faktor der Ausgrenzung, d. h. sie verschärfen die Marginalisierung.
Wie lässt sich die positive Seite der IKT stärken und die negative Seite abschwächen? Es gilt, die Bedingungen für einen gleichberechtigten Zugang zu schaffen, und dies hat mehr zu tun mit Medienkompetenz als mit Technologiezugang. In den nächsten Jahren wird man eine Vielzahl einschlägiger Projekte lancieren. Bereits jetzt ist die Zahl der Initiativen so groß, dass für das Projekt „eLearning for eInclusion“ eigens ein Klassifikationssystem geschaffen wurde: eine digitale Bibliothek, die eine Fülle von Projekten enthält, aufgeschlüsselt nach Eingliederungsproblem und Lösungsansatz.
Die Zahl der Projekte zur Förderung der digitalen Eingliederung wird in den nächsten Jahren exponentiell wachsen. Ihr Ziel ist es, die für die Entwicklung einer Wissensstruktur erforderlichen Kenntnisse zu gewinnen. Zu diesem Zweck gilt es, die Erforschung der Ausgrenzungsfaktoren und der Wesensmerkmale der ausgegrenzten sozialen Gruppen zu vertiefen.Quellen:
Bates, T. (1999). "The impact of new media on academic knowledge". Burda Medien Envisioning Knowledge - from Information to Knowledge, 3.-4. Februar 1999, München.
Carta para la Inclusión Digital y Social(Charta für die soziale und digitale Eingliederung).
Castells, Manuel; Tubella, Inma; “La Sociedad Red en Cataluña” (The Network Society in Catalonia).
IIbáñez, Augusto. "Un estudio experimental sobre el impacto del ordenador en el aula" (Experimentelle Studie über das Lehrmittel Computer im Klassenzimmer).
Bericht über Bildungssysteme für sonderpädagogische Erfordernisse in Europa (Report on Special Needs Education in Europe).
JJones, Wendy. The BBC and e-learning.
LLewin, Melanie. Obstacles to Older People using Computers (Was ältere Menschen daran hindert, Computer zu benutzen).
Das zukünftige Paradigma: Soziales e-learning
I. Soziale Lösungen für soziale Probleme
Die sozialen Praktiken treten mit der Technologie in Wechselwirkung, wobei beide sich gegenseitig beeinflussen. Wenn eine wirklich einbindende Informationsgesellschaft herbeigeführt werden soll, so sind die sozialen Probleme zu behandeln, die die Menschen digital ausschließen, anstatt lediglich jene zu berücksichtigen, die sich aus strukturellen Mängeln ergeben. Bezüglich des digitalen Gefälles sind nicht alle Menschen gleich. Es gibt einen deutlichen qualitativen Unterschied zwischen jemandem, der bereits ausgeschlossen ist und gleichzeitig IKT zu verstehen und benutzen braucht, und jemandem, der nur ein Bisschen formales Wissen benötigt, um sofort einsteigen zu können. Das ist ein grundlegendes Prinzip, das unseres Erachtens jede mögliche ELearning- Strategie im Hinblick auf die E-Eingliederung prägen sollte. Andernfalls könnte es zum totalen Fiasko kommen.
II. Gruppen und Bewusstsein
Lerngruppen sind heute ein brennendes Thema. Trotzdem werden sie meist als einfache instrumentale Begriffe im Hinblick auf bessere Lernmethoden betrachtet. Das ist zwar nützlich, reicht jedoch per se nicht aus. Die IKT bieten eine ausgezeichnete soziale Software an, die auf originelle Art und Weise benutzt werden kann, damit reelle Gruppen ihren politischen, sozialen und kulturellen Horizont erweitern können. Isolierte Gruppen können digitale Technologien im Sinne eines größeren Bekanntheitsgrads und Respekts in unserer Gesellschaft einsetzen. Über ein weites Gebiet verstreute Mitglieder einer Gruppe können sich verschiedener digitaler Instrumente bedienen, um den Kontakt zu einander zu halten und ihren Lebensstil und Kultur weiter zu pflegen. Weiters sollte die bewusstseinsbildende Kraft des Internet zur Darstellung und Bekämpfung des sozialen Ausschlusses ebenfalls berücksichtigt werden. Diese Strategie ist im Fall von isolierten ländlichen Gruppen sowie Migranten, die weit von ihrer Heimat arbeiten, von grundlegender Bedeutung, kann aber andererseits auch ein starkes Mittel bei der Bekämpfung von Sexismus im Computerbereich bilden und einen von Frauen gemeinsam geführten Wandel in den IKT einleiten.
III. Auf dem Weg zum transparenten PC
PC und Software werden ständig verbessert und weisen jährlich neue Leistungen auf, wodurch ihre Anwendung schwieriger wird. Mit IKT vertraute Benutzer können dies zwar leicht verkraften, aber die digital Ausgeschlossenen stellt das vor große Probleme, insbesondere im Fall von älteren und behinderten Menschen. Unseres Erachtens ist diese Strategie der „neuen Leistungen“ aus einer sozialen und Bildungsperspektive von Grund auf falsch angesetzt. Es ist daher notwendig, sie umzukehren. Dabei sind einfachere und instinktiver anzuwendende Strategien und Technologien ins Auge zu fassen. Eine Kamera und ein Auto sind doch relativ instinktive Technologien. Wenn man ein Foto schießen möchte, muss man nur die Kamera auf das entsprechende Motiv richten und auf den Knopf drücken. Wenn man rechts abbiegen will, muss man das Lenkrad nach rechts drehen. Warum also können IKT auch nicht so sein?
IV. Problemlösende Methodologie beim E-Learning
Da unser Ziel konkreten Bedürfnissen folgt, ist großes Theoretisieren fehl am Platz, sondern es ist viel mehr nützliches, praktisches und motivierendes E-Learning-Material notwendig. Dies erfordert gewiss die Berücksichtigung eines Faktors, der bei E-Learning-Strategien grundsätzlich vernachlässigt wird: den konkreten sozialen und kulturellen Hintergrund. Fehlendes Vertrauen und Motivation bilden bedeutende Hürden zur EEingliederung. Sie können durch bereits überstrapazierte „Wie-mache-ich-was“-Kurse auch niemals überwunden werden. Außerdem steigt die Konkurrenz in der Informationsgesellschaft zunehmend. In wenigen Jahren wird die Fähigkeit, mit Textverarbeitungs- und E-Mail-Programmen umzugehen, auf dem Arbeitsmarkt kein Pluspunkt mehr sein. Dies ist ein weiterer Grund für eine problemlösende Methodologie. Ein allgemeiner Kurs für die Verwendung verschiedener Bildbearbeitungs-Programme mag zwar recht nützlich sein, aber zur Problemlösung ist ein Kurs über die Anfertigung von Flugblättern für Vereine viel angebrachter, denn er erzeugt eine viel größere Motivation und stellt sogar für einen jungen Arbeitslosen eine Möglichkeit dar, Arbeit in einer anspruchsvollen Umgebung zu finden.
V. Internet für alle
Die Software-Technologien sind plastisch genug, damit sie jedem konkreten Bedürfnis einer jeden Gruppe angepasst werden können; der Inhalt kann dabei auf jede mögliche kognitive, sensorische oder körperliche Behinderung abgestimmt werden. Leider machen äußerst wenige Unternehmen, öffentliche Einrichtungen oder Einzelpersonen von dieser Möglichkeit Gebrauch. Zu diesem Thema ist also das Bewusstsein der Software- und Hardware-Hersteller sowie der Web-Designer und des Lehrpersonals zu steigern. Beim Zugang zur Kultur stellen physische Hindernisse, wie z.B. die Entfernung oder die Architektur, eine Herausforderung für Menschen mit Mobilitätsschwierigkeiten. Bücher sind für Sehbehinderte auch nicht nützlich. Es ist wirklich bedauerlich, dass die meisten digitalen Kulturprodukte, die diese Hürden leicht nehmen können, den edürfnissen dieser Menschen nicht völlig angepasst sind.Dieser Artikel ist Teil der E-Learning zur sozialen Eingliederung, erstellt durch mehrere Institutionen im Rahmen der eLearning Initiative der Europäischen Kommission. Der vollständige Text der Charta steht in 11 Sprachen zur Verfügung.
Herkömmliche Universität kontra Business-Universität: Auswirkungen für das eLearning
In dem vorliegenden Text ist ein Ausschnitt aus dem Papier „The traditional vs the Business Model of the University: the Implications for the Deployment of Learning Technologies” wiedergegeben, das im Rahmen des Minerva-Projekts e-Resources and Distance Learning Management (eDilema) verfasst wurde. Der Volltext findet sich in den Unterlagen zu der „Developments in e-learning 2003 Conference” auf der eDilema-Website.
Herkömmliches Modell oder Business-Modell?
Nach Brown &Duguid geraten die Universitäten zunehmend unter Druck, insbesondere Wettbewerbsdruck, der sie zwingt, unternehmerisch zu denken. In die gleiche Richtung geht die Äußerung von David Noble, der erklärt, die Lehrkräfte der Universität York hätten ihren Streik unter das Motto „Unterrichtsraum kontra Vorstandszimmer“ gestellt. Beide Kommentare legen nahe, dass eine Konkurrenz besteht zwischen dem herkömmlichen Universitätsmodell und einigen der neueren Business-Modelle. Aus folgenden Gründen ist es an der Zeit, sich mit dieser Entwicklung auseinanderzusetzen:
1. der zunehmende „politische” Druck auf die Universitäten, Absolventen hervorzubringen, die den Erfordernissen der Industrie genügen;
2. die Ausbreitung der privaten gewinnorientierten Universitäten und
3. die Neueinstufung bestimmter Fachhochschulen/technischen Hochschulen als Universitäten.
Erörtert werden diese Auswirkungen unter den folgenden drei Kapitelüberschriften: 1) Wissen, 2) Lernen und 3) Befähigungsnachweisfunktion der Universität.
Wissen
Das herkömmliche Modell der Universität lässt sich beschreiben als „Heimstatt” für Ideen, Forschung und Experimentieren, deren Wert oder Relevanz sich nicht immer unmittelbar erschließen. Diese Heimstattfunktion erzeugt jedoch die Synergien, die Wissen schaffen (Brown & Duguid). Das Wissen, das man mit dem Business-Modell der Universität assoziiert, ist eher ein „konkretes” Wissen oder ein für die „reale Welt“ nützliches Wissen (Brabazon) . In der „realen Welt“ geht man, anders als in der Welt des „Elfenbeinturms”, davon aus, dass eine enge Verbindung besteht zwischen Bildung und wichtigen Reale-Welt-Themen, wie Wirtschaftswachstum, Effizienz und gesellschaftliche Verbesserungen (Clegg). Dementsprechend strebt man im Business-Modell danach, Fachleute mit ganz konkreten Fertigkeiten heranzubilden – nicht nur mit Wissen, sondern auch mit Know-how, mit Wissen, das nicht nur „vergeistigt“, sondern auch „verkörpert“ ist (Blackler). Im Gegensatz dazu strebt das traditionelle Modell eher danach, Absolventen mit einem umfassenderen Wissen heranzuziehen, mit Schwerpunkt auf der Entwicklung umfassend anwendbarer kognitiver Fertigkeiten.
Das Wissen im herkömmlichen Modell ist gekennzeichnet durch komplexe, miteinander in Beziehung stehende Zusammenhänge, deren Erfassung einen langen Lernprozess erfordert. In diesem Wissensverständnis ist „Wissen” eng verknüpft mit dem Erwerb von Weißheit (Sapientia = Weißheit, sapire = wissen, Perseus,esp II.2.b). In diesem Konzept favorisieren Bildungspolitiker Lerntechnologien, in denen der Lernende sich mit einer Vielzahl unterschiedlicher Ideen auseinandersetzt und so seine kritischen Fähigkeiten schult.
Ganz anders das Wissen im Business-Modell: Es ist untergliedert in kleine, modulierbare, vorkonfektionierte Einheiten. Einmal entwickelt, können derartige Einheiten oder Lernobjekte recycliert – denn das Wissen ist in die Technologie eingebettet (Blackler) – und immer wieder vermittelt werden, zu Kosten die niedriger sind als bei den Wettbewerbern. Dies nennt man die „Unplug-and-pay“-Strategie (Brown & Duguid 209). „In Zukunft wird man immer weniger Studiengänge und immer mehr kleine Lerneinheiten entwickeln.“ (Bates 183). (Eine solche Strategie muss im Übrigen nicht immer kommerziell orientiert sein. Das Centre for Distributed Learning der California State University z. B., das alle Universitäten im Staat beliefert, legt den Schwerpunkt auf die Produktion von Lernmodulen und nicht von kompletten Web-Studiengängen.)
Einige (Brabazon, Noble) sehen darin unredliche Motive, die Absicht, die Bildung zu kommerzialisieren und Lernen und Wissen zu einer Ware (commodity) zu machen. Diese Kommoditisierung kommt längerfristig nicht den Studenten zugute – argumentieren sie –, sondern den Hardware- und Bildungssoftware-Verkäufern (es ist bereits soweit, dass derartige Verkäufer Universitäten Anreize bieten, wenn sie für die jeweilige Technologie öffentlich Werbung machen (Noble)).
Lernen
Wenn man jetzt vom Wissen zum Lernen übergeht, so stößt man auf das Argument von Kritikern, das Business-Modell stütze sich auf das weitgehend veraltete Informationsverarbeitungskonzept des Lernens. Dieser Theorie zufolge ist Lernen wenig mehr als die Informationsübertragung in ein relativ leeres Gefäß, d. h. den Lernenden. Wenn man sich dies klar macht, so versteht man, weshalb in dem Modell Lerntechnologien einen so hohen Stellenwert haben: es gilt in der Produktion, Vermittlung und Wiederverwendung von Studienganginhalten effizient vorzugehen (Brabazon). Indizien sprechen dafür, dass die angestrebte Effizienz zum Teil dadurch erreicht wird, dass man Lehrerarbeit durch Technologie ersetzt (Noble).
Einige Theorien aus jüngster Zeit, wie z. B. der Konstruktivismus (Bruner), widersprechen einigen der Annahmen des Informationsverarbeitungsmodells: Wissen ist nicht ein beliebig übertragbares Gut, sondern wird vom Lernenden selbst aufgebaut; über die Relevanz von Informationen entscheidet dabei weniger der Studiengangentwickler, sondern eher der Lernende, denn der Lernende ist nicht ein leeres „Gefäß“, sondern nutzt bereits vorhandenes Wissen, um neue Ideen zu assimilieren und er gewinnt wichtige Erkenntnisse durch Anwendung des Lernens auf echte Aufgaben und durch Zusammenarbeit mit Studienkollegen. Eine auf dieser Sichtweise beruhende Lerntheorie – weit davon entfernt, lediglich vorkonfektionierte Studiengangmodule zu liefern - könnte z. B. Lernende dazu ermutigen, die Technologie für die Zusammenstellung von eigenem Lernmaterial zu nutzen, mit anderen Lernenden zusammenzuarbeiten und ihr kritisches und kreatives Denken weiterzuentwickeln.
In diesem Kontext wird vielfach das Argument vorgebracht, das herkömmliche Universitätssystem ermutige die Lernenden dazu, weit über eine bloße „Zusammenarbeit mit Studienkollegen“ hinauszugehen. In der Tat haben im herkömmlichen Modell Lernende die Möglichkeit, in eine praxisorientierte Studiengemeinschaft mit anderen Lernenden und Lehrenden einzutreten (Brown & Duguid). Diese Gemeinschaft kann man sich als ein informelles soziales System vorstellen, das die formelle Struktur der Universität ergänzt und ein Gegengewicht zu ihr darstellt. Die formelle hierarchische Struktur von Dekanen, Professoren, Dozenten und Assistenten ist u. a. dadurch konditioniert, welche Informationsmenge sie verarbeiten und vermitteln kann. Die informelle Studiengemeinschaft hilft einige der Lücken in der Kommunikation und der sozialen Unterstützung zu schließen, die von der formellen Struktur gelassen werden. Die lateralen Interaktionen zwischen Mitgliedern der Studiengemeinschaft – in Gegenüberstellung mit den vertikalen Interaktionen mit der Hierarchie – liefert den Lernenden einen stetigen Fluss von Informationen – „die wesentlichen Informationen“, wie Blackler sie nennt. Sie helfen dem Lernenden, zwischen dem „Wichtigen“ und dem „Unwichtigen“ in ihrem jeweiligen Studienbereich zu unterscheiden, sie helfen ihm, zu ermitteln, welche Qualitätsstandards für ihn gelten oder was man von ihm erwartet, und sie liefern Informationen über Verfahren, ungeschriebene Gesetze und Regeln in Bezug auf Besuch von Vorlesungen, Verfassen von Arbeiten, Vorlagefristen und viele andere Fragen, die sich in einem Studentenhandbuch nur schwerlich zusammenfassen oder gar exakt darstellen ließen. Es handelt sich dabei also um einen Prozess der sozialen Eingliederung oder Enkulturierung in Unterstützungs- Kommunikations- und Praxisnetze (Wenger, Cornford & Pollock, Brown & Duguid). Laut Brown und Duguid bewerkstelligt die herkömmliche Universität diesen Prozess der Enkulturierung dadurch, dass sie extensiven und intensiven Zugang zu praxisorientierten Studiengemeinschaften bietet. Extensiver Zugang bedeutet Mitwirkung in einer ganzen Reihe von Gemeinschaften, intensiver Zugang Mitwirkung in nur einer oder zwei Gemeinschaften. Dabei verhält es sich so, dass der Lernende allmählich vom extensiven zum intensiven Zugang übergeht: Untergraduierte partizipieren in zahlreichen Gemeinschaften, während Postgraduierte zum Großteil ihr Engagement und ihre Tätigkeit zunehmend vertiefen und auf nur eine Gemeinschaft beschränken. Daran anknüpfend unterscheiden Brown und Duguid zwischen zwei Grundformen des Lernens. Anfänglich lernen die Studierenden, etwas zu tun, doch schließlich lernen sie, etwas zu werden. Man könnte also annehmen, dass es beim Business-Modell hauptsächlich darum geht, „zu lernen, etwas zu tun“ (verinnerlichtes/verkörpertes Wissen), während es im herkömmlichen Model weit mehr darum geht, zu „lernen, etwas zu werden“ (enkulturiertes Wissen). In diesem letztgenannten Konzept nutzt man Lerntechnologie, um für Gemeinschaften von Lernenden Unterstützungsstrukturen zu entwickeln und bereitzustellen.
Die Befähigungsnachweisfunktion der Universität
Da weder Lernen noch Wissen leicht zu vermittelnde Güter sind, erfüllen die Universitäten ihre Funktion in zweifacher Hinsicht: sie bieten dem Studenten, was für ihn im Bereich des Lernens wichtig ist, und sie bringen Absolventen hervor, die wissende Mitglieder der Gesellschaft sind. Wenn also das Wissen ein wichtiger Teil dessen ist, was Universitäten stets angeboten haben, so gilt dies auch für die äußere Verpackung dieses Wissens, den akademischen Grad. Diese äußere Umhüllung ist wie eine Garantie, anhand derer der Verbraucher die Qualität oder Zuverlässigkeit eines Produkts beurteilt. Was aber macht diese Garantie zuverlässig? Der Qualitätssicherungsprozess der zu dem Ergebnis führt! Diese Funktion des Befähigungsnachweises ist stets präsent, wenn Fachleute ihr Wissen in Vorlesungen und durch Tutoring an Studenten weitergeben, und wenn sie Doktoranten in der Ausarbeitung ihrer Doktorarbeiten unterstützen. Charakteristisch dabei ist, dass sie unterscheiden zwischen Studenten, die einen bestimmten Standard erreicht haben, und Studenten, die diesen Standard noch nicht erreicht haben – all dies unter Überwachung durch erfahrene Fachleute, Prüfungsgremien und akademische Grade verleihende Universitätssenate (Brown & Duguid).
Lernstrategien
Nachstehend habe ich zwei unterschiedliche Strategien skizziert, die sich als Folge der inhärenten Unterschiede zwischen dem Business-Modell und dem herkömmlichen Modell voraussichtlich entwickeln werden. Man kann sich diese beiden Strategien vorstellen als Pole eines Spektrums mit zahlreichen dazwischenliegenden Variationsmöglichkeiten. Sie stehen in einem Gleichgewicht, d. h. Einzelelemente beider lassen sich entwickeln und in ihren Auswirkungen für die Universität herausarbeiten. Dabei sollten wir uns daran erinnern, dass beide diametral entgegengesetzte Strategien auf denselben Technologien beruhen. Welche Strategie man wählt, ist freigestellt. Ich habe diesen Strategien zwei neutrale Bezeichnungen gegeben: Strategie X und Strategie Y.
Strategie X
Strategie X basiert auf dem Business-Modell. In diesem Konzept ist die Universität ein Kommissionär von Unterrichtsmaterial. Sie könnte auch Unterrichtsmaterial aus dem Regal kaufen, umverpacken und im Rahmen einer Vereinbarung mit Verkäufern auf anderen Märkten verkaufen. Für die Universität besteht dabei die Chance eines größeren Marktes, während der Verkäufer die Befähigungsnachweisfunktion der Universität nutzt. Entscheidendes Kriterium ist die Wahl des Produkts und der Märkte.
Auf dem relativ kleinen irischen Markt z. B. bietet diese Strategie die Möglichkeit, neue größere Märkte zu erschließen, etwa die „irische Diaspora“ (mehr als 40 Millionen) in den USA und in Australien. Allgemeiner gesehen: Verfügt eine Universität über ein spezielles Fachwissen, so lässt sich die Technologie nutzen, um die „Lieferkosten“ zu senken und den Absatz auf weiter entfernten, unterentwickelten und neu entstehenden Märkten zu vergrößern.
Strategie X ist also eine Globalisierungsstrategie in großem Maßstab. Kennzeichnend für sie sind Faktoren wie das Outsourcing von Fachwissen, insbesondere Entwicklungsfachwissen und Vereinbarungen mit Verkäufern und Schlüsselakteuren in globalen Online-Bildungsnetzen. Erforderliche unterstützende Strukturen sind ein ausgeklügeltes Verwaltungssystem für Produktion, Lieferung, Registrierung und Zahlung.
Diese Strategie bedingt voraussichtlich auch eine kulturelle Verschiebung von einer hauptsächlich rollen-/und unterstützungsorientierten Kultur zu einer im Wesentlichen leistungsorientierten Kultur (Saunders). Diesen Wandel zu bewältigen ist unerlässliche Voraussetzung für den Erfolg der Strategie.
Strategie Y
Strategie Y basiert auf dem herkömmlichen Modell. In ihm dienen die Lerntechnologien der Universität vor allem dazu – aller Voraussicht nach in einem durch Vielfalt gekennzeichneten Umfeld –, die Qualität des Lehrens und des Lernens zu verbessern. In dieser Strategie dienen Lerntechnologien dazu, bestimmte pädagogische Ziele zu erreichen, die sowohl kognitiver als auch soziopsychologischer Art sind (Billet): den Lernenden Online-Ressourcen zur Verfügung stellen (geführte Erkundung), diese Materialien nutzen, um die kognitiven Fähigkeiten der Studenten weiterzuentwickeln (kritisches und kreatives Denken), das bei Fernstudenten bestehende Gefühl der Isolation mindern, Gruppenarbeit fördern (Zusammenarbeit), einen Gemeinschaftssinn mit gemeinsamer Zielorientierung schaffen und „Zugang zu Unterstützung und Beratung“ bieten (Billet).
Wesentliche Komponente dieser lehrerorientierten Strategie ist die Qualität des Lehrens und des Lernens. Beides wird langfristig den Erfolg einer Universität bestimmen. Unterstützung und Beratung sind also zentrale Elemente dieser Strategie. Um einen gleichbleibend hohen Standard der Unterstützung und Beratung zu gewährleisten, werden im Rahmen dieser Strategie hohe Investitionen erforderlich sein in die Personalrekrutierung und –ausbildung.
Das Wesen dieser Strategie macht auch deutlich, wie wichtig die Entwicklung guter arbeitstechnischer Beziehungen mit anderen Universitäten ist. Nur dann kommt der Nutzen der Befähigungsnachweisfunktion voll zum Tragen. Diese Strategie sieht, wie wir gesehen haben, auch vor, dass Studenten im Rahmen ihrer Ausbildung ganz selbstverständlich vom Fachwissen einer ganzen Reihe von Universitäten profitieren. Es ist also damit zu rechnen, dass die Vernetzung von Universitäten, kooperatives Lehren und Lernprojekte zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Wie bereits gesagt, nutzt Strategie Y die Lerntechnologien, um Studiengemeinschaften zu begründen. Einem jüngst veröffentlichten IPA-Bericht zufolge, nennen die Studenten „Isolierung“ als ihr größtes Lernhindernis. Und am häufigsten genannt als Möglichkeit zur Lösung dieses Problems wurde die Nutzung von Lerntechnologien, in der Hauptsache E-Mail und Internet (IPAb 32,46).
Strategie Y ist eine pädagogische Exzellenzstrategie, geht jedoch weit über den Unterrichtssaal hinaus. Letztlich stärkt sie die grundlegende Rolle der Universität als Exzellenzzentrum.
Wichtig ist, sich zu vergegenwärtigen, dass die beiden Strategien Pole eines weiten Spektrums sind. Dabei wird keine Strategie über die andere gestellt. Vielleicht ist eine Mischung beider die optimale Lösung für die Universität. Wie diese Mischung aussieht, müssen die Verantwortlichen in den Universitäten entscheiden.
Initiativen zur Förderung des Sprachenlernens
Der Aktionsplan 2004 – 2006 zum Sprachenlernen und zur Sprachvielfalt gliedert sich in drei breit angelegte Bereiche: Ausdehnung der Vorteile des lebenslangen Sprachenlernens auf alle Bürger, Verbesserung des Sprachunterrichts und Schaffung eines sprachenfreundlicheren Umfelds, wozu ein integrativer Ansatz für Minderheiten- und Regionalsprachen gehört.
Weitere interessante europäische Initiativen, die Informationen über das Sprachenlernen bieten, sind:
· Lingua-Katalog. Eine umfassende Übersicht über die europäischen Leistungen im Bereich des Sprachenlernens bietet der Lingua-Katalog, eine Datenbank mit einer Beschreibung von Sprachlerninstrumenten, die mit Unterstützung der Europäischen Kommission entwickelt wurden. Obwohl als Medium weiterhin das Buch vorherrscht, machen sich die E Learning-Instrumente immer stärker bemerkbar. Derzeit sind 32 CD-ROMs, 8 CDs und 7 Websites katalogisiert.
· Label Database. Mit einer Zusammenfassung von etwa 429 Projekten (einschließlich einiger Online-Kurse) ist das Europäische Siegel für innovative Projekte beim Sprachunterricht und Sprachenlernen eine Datenbank mit örtlichen, regionalen oder nationalen Projekten, die kreative Möglichkeiten erschlossen haben, um die Qualität des Sprachenunterrichts zu verbessern, Lernende zu motivieren, die verfügbaren Ressourcen optimal zu nutzen, um das Sprachenangebot zu erweitern, usw.
· Euroclic, eine Website für Lehrer. Die Kommission hat zur Entwicklung von Euroclic , einem Netz von Lehrern und anderen Personen, die am Erlernen anderer Bildungsthemen durch den Einsatz einer Fremdsprache interessiert sind, beigetragen. Dieses Netz erstellt regelmäßige Mitteilungen, und die Website beinhaltet eine Datenbank für Materialien und eine „Chat“-Einrichtung für Lehrer.
· Lingu@net Europa ist ein virtuelles Ressourcenzentrum für das Unterrichten und Erlernen von Fremdsprachen. Es wird von einem Konsortium mit Mitgliedern aus zehn Nationen entwickelt. Lingu@net Europa bietet zweckmäßige Informationen für Lehrer, Ausbilder, politische Entscheidungsträger und Multiplikatoren sowie längerfristig für Personen, die Sprachen erlernen. Hierzu gehören Informationen über das Erlernen und Unterrichten von Fremdsprachen sowie ein Schaufenster für Materialien mit Beispielen zum Herunterladen.
· ICT4LT, Informations- und Kommunikationstechnologie für Sprachlehrer ist ein transnationales Projekt, das sich mit dem einschlägigen Bedarf europäischer Sprachlehrer befasst. Die Website ICT4LT bietet zahlreiche unentgeltliche Ausbildungsmaterialien, die mit Gruppen von Sprachlehrern und Lehrer-Ausbildern erprobt wurden.
· The Human Language Technology Portal (HLTCentral). Die Website HLTCentral wurde als Sprungbrett für den Zugang zu Sprachtechnologieressourcen im Internet gegründet. Auf der Website werden einige fortgeschrittene Sprachtechnologien dargestellt, und es wurde eine Diskussionsgruppe mit Moderation eingerichtet. Zahlreiche Links zu HLT-Internet-Ressourcen sind aufgeführt und ein HLT-Schaufenster dargestellt. Die vorgestellten Projekte beziehen sich auf mehrsprachige Dienstleistungen, sprachübergreifende Instrumente zum Wissensmanagement, E Commerce, mobile Informationsgesellschaft, Spracherkennung, natürliche Interaktivität u. a.
„In den nächsten drei Jahren werden wir die Bildung von Partnerschaften zwischen 30.000 Schulen über das Internet vorantreiben”
Der EU-Rat hat soeben das eLearning-Programm 2004-2006 gebilligt. Etwa 44 Millionen Euro werden investiert, um Schul-Partnerschaften, die Entwicklung von virtuellen Campi und die Förderung der digitalen Alphabetisierung voranzutreiben.
Das eLearning-Programm tritt im Januar nächsten Jahres in Kraft und hat hoffentlich eine Katalysatorwirkung. Wie Maruja Gutiérrez erklärt, „versucht die Europäische Kommission damit, die neuen Technologien in den Bildungsalltag auf allen Ebenen einzuführen; um dieses Ziel zu erreichen, werden wir sehr pragmatisch vorgehen. Das eLearning-Programm wird das Rad nicht neu erfinden, sondern die Ergebnisse aus den bereits durchgeführten Projekten aufgreifen und sie so allen zugänglich machen”.
Was wird die Hauptaktion des eLearning-Programms sein?
Die Partnerschaft zwischen Schulen. Die Europäische Kommission wird fast die Hälfte des Budgets, etwa 7 Millionen Euro jährlich, für diesen Bereich verwenden. Es handelt sich um ein sehr ambitioniertes Projekt. Die Schulpartnerschaft hilft uns, die europäische Dimension bei der Bildung zu stärken. Dort sehen wir ein mal mehr den Wert der neuen Technologien als Austauschelement.
Worin besteht die Schulpartnerschaft?
Es geht darum, die Informations- und Kommunikationstechnologien zu verwenden, eine Zusammenarbeit zwischen Schulen aus unterschiedlichen Ländern aufzubauen. Unser Ziel ist es, dass kein Kind von der Schule abgeht, ohne an einem europäischen Projekt dieser Art teilgenommen zu haben. Zunächst aber werden wir die Bildung von Partnerschaften zwischen 30.000 Schulen in Europa über das Internet bis zum Jahr 2007 vorantreiben.
Wie sieht es mit den sprachlichen Hürden aus?
Aus unserer Erfahrung heraus benutzt man normalerweise eine einzige Mittlersprache, wenn es viele Partner gibt; fast immer ist dies Englisch. Daher hat das Schulpartnerschaftsprogramm als einzige Voraussetzung die Einbindung von zwei Partnern. Auf diese Weise möchten wir erreichen, dass eine möglichst große Anzahl an Sprachen benutzt wird, was im Einklang mit den Anstrengungen der Europäischen Kommission steht, die sprachliche und kulturelle Vielfalt zu fördern.
Wie werden die Maßnahmen konkret aussehen, die als Anreiz für Partnerschaften vorgesehen sind?
Da es uns nicht machbar erscheint, die Schulen direkt zu finanzieren, weil die Anzahl der Lehreinrichtungen, die es in Europa gibt, enorm ist, basiert unsere Strategie darauf, den Lehrern eine Reihe von Ressourcen und Instrumenten zur Verfügung zu stellen. Zunächst machen wir eine Zusammenstellung von interessanten Beispielen einer Partnerschaft, die den Dozenten als Inspiration dienen sollen. Außerdem werden wir eine geeignete Beschreibung der Schulsysteme entwickeln, um den Lehrern die Suche nach einer ähnlichen Schule in einem anderen Bildungssystem zu erleichtern. Ebenso bereiten wir ein Partner-Suchwerkzeug vor. All diese Informationen und Partnerschafts-Tools werden über ein Portal verfügbar sein, das wir für das Internet entwickeln.
Wie gedenkt die Europäische Kommission, die Initiative bekannt zu machen und die Teilnahme der Schulen am Programm zu fördern?
Wir werden die europäischen Verbände bitten, diesen Erfahrungen Vorschub zu leisten. Und wir werden an die Kreativität der Lehrer appellieren, damit diese unter Berücksichtigung der Umstände eines jeden Zentrums die Partnerschaften richtig anpacken. Wir glauben, dass sich mit wenigen Mitteln viele, pädagogisch interessante Ergebnisse erreichen lassen.
Wie sieht der Fahrplan für die Entwicklung des Partnerschaftsprogramms aus?
Im Frühjahr 2004 werden wir eine Informationskampagne starten. Wir hoffen, dass alle Schuleinrichtungen bis zum Sommer von dieser Initiative erfahren haben und dass erste Partnerschaften im September 2004 zustande kommen. Wir untersuchen auch die Möglichkeit, ein Netzwerk aus besonders dynamischen und in diesen Themen erfahrenen Pionierlehrern zu bilden, damit diese die restlichen Lehrer unterstützen und animieren.
Das zweite große Thema des eLearning-Programms ist die Entwicklung von virtuellen Universitäts-Campi.
Diesem Thema widmen wir 30% der finanziellen Mittel des Programms mit dem Ziel, der virtuellen Mobilität mithilfe der neuen Technologien Impulse zu geben. Nehmen wir ein einfaches Beispiel: Warum soll ein dänischer Philologie-Student für Französisch über Internet nicht an einer französischen oder belgischen Universität am Unterricht teilnehmen können? Genau deshalb werden wir dabei helfen, dass sich einige Universitäten abstimmen und Übereinkünfte zum Austausch von Studenten treffen, um Pilotkurse online zu entwickeln. Unser Referenzmodell ist das Erasmus-Programm. Diese Fragestellung kann sogar den Begünstigten von Erasmus selbst nützen, die Probleme bekommen können, wenn sie während der Zeit ihres Auslandsaufenthalts den Kontakt zu ihrer Heimatuniversität verlieren. Die IKTs ermöglichen es, diesen Kontakt zur Heimatuniversität und danach die Beziehungen zum Ausland auf einfache Weise aufrechtzuerhalten, so dass die Anstrengung und die Investition, die der Auslandsaufenthalt bedeutet, besser genutzt werden.
Müssen auf diesem Gebiet noch viele Hindernisse aus dem Weg geräumt werden?
Um dies in die Praxis umzusetzen, müssen bestimmte Probleme gelöst werden, und eines davon sind die Studienleistungen. Das Europäische System zur Anerkennung von Studienleistungen (ECTS) berücksichtigt in sehr geringem Umfang die virtuellen Kurse, da noch nicht definiert wurde, wie die Zeit bewertet werden soll, die der Student aufgewendet hat. Es ist auch nicht klar, wie die online erworbenen Kenntnisse bewertet werden sollen. Die virtuellen Prüfungen sind bis jetzt nicht zugelassen. Es bleibt viel zu tun. Deshalb werden wir die Entwicklung von Erfahrungen aus Pilotprojekten unterstützen, die uns dabei helfen, Lösungen zu finden.
Der letzte große Eckpunkt des eLearning-Programms ist die digitale Alphabetisierung.
Das Konzept der digitalen Alphabetisierung wurde im Jahre 2000 auf dem europäischen Gipfel von Lissabon aus der Taufe gehoben, als auf den Mangel an qualifiziertem Personal zur Besetzung von Arbeitsplätzen im Zusammenhang mit den neuen Technologien hingewiesen wurde. Es ist offensichtlich, dass es in diesem Bereich Mängel gibt, aber manchmal wurde dies auf eine sehr vereinfachende Weise analysiert, so als ob es nur darum gehen würde, zu lernen, wie man mit dem Computer und einigen Programmen umgehen muss. Und das Programm ist viel weitreichender.
Jetzt beginnt man zu merken, dass die Schwierigkeit des Einsatzes der IKTs soziale Auswirkungen hat, die mit der Ausübung des Bürgerrechts zusammenhängen.
Genau! Zu einem Zeitpunkt, an dem die Dienstleistungen der öffentlichen Hand über das Netz angeboten oder die Wahlen langsam auf elektronischem Wege abgewickelt werden, gibt es noch viele Leute, die nicht wissen, wie man E-Mails benutzt, oder sich nicht trauen, die Einkommensteuererklärung über das Internet zu machen. Deshalb möchten wir dabei helfen, dass die Verbände, die auf dem Gebiet in der Welt der Bildung tätig sind, eine kritischere Haltung zur Aneignung und zum Verständnis der neuen Technologien einnehmen. Hier ist klar, dass ein Altersfaktor besteht, da für Kinder der Computer etwas Normales ist und zu seiner Benutzung nicht im Handbuch nachgeschlagen werden muss. Es dreht sich eher darum, Erwachsenen, und vor allem den über 40- oder 50-Jährigen, zu helfen.
Welche Handlungen schlagen Sie konkret vor, um die digitale Kultur zu vertiefen?
Wir schlagen sehr einfache Maßnahmen vor. Wir werden die Arbeit der Verbände und der Netzwerke unterstützen, die auf diesem Gebiet tätig sind. Wir wollen zum Beispiel die Forschungsergebnisse zur Mensch-Maschine-Schnittstelle verbreiten, die zahlreiche Informationen zu diesen Fragen bieten. Ebenso werden wir im besonderen die Schulung von Erwachsenen berücksichtigen, die aufgrund ihres Alters noch keinen Zugang zur Benutzung der Technologien gehabt haben.
Es bleibt eine letzte Handlungslinie mit übergreifenden Maßnahmen.
Es geht um das Bewusstsein, die Koordinierung, die Bekanntmachung und den Anschluss. Wir wollen, dass die Informationen verbreitet werden und dass die verschiedenen Akteure die Hilfsmittel kennen. Und ein besonderer Gesichtspunkt, den wir verstärkt im Auge behalten wollen, ist die Interoperabilität. Zur Erschaffung eines für Investitionen günstigen Umfeldes ist es notwendig, über Richtlinien und Standards zu verfügen. Die Firmen müssen sicher sein, dass ein bestimmtes Produkt auf allen Computern oder in allen Ländern funktioniert. Die Richtlinien sollen kleineren und mittelständigen Unternehmen die Sicherheit geben, dass die Anwendungen, die sie entwickeln, auch den Markt durchdringen können. Eines der Themen, bei dem man vorwärts kommen muss, ist zum Beispiel Metadaten, Klassifikations-„Labels”, die es erlauben, nach Material zu suchen. Wir können den Fortschritt auf diesem Gebiet mit kostengünstigen, aber politisch höchst relevanten Maßnahmen vorantreiben.
Die Verbreitung von Informationen ist eine der Hauptaufgaben dieses Portals.
Das Internet ist das Kommunikationsmedium par excellence der Informationsgesellschaft. Deshalb sind wir der Ansicht, dass das Portal elearningeuropa das beste Werkzeug ist, das wir den vielen Menschen zur Verfügung stellen können, die daran interessiert sind, die Bildung zu modernisieren und zu verbessern, damit sie leichteren Zugriff auf Informationen erlangen und ihre Ideen und Erfahrungen erörtern können.
Für weitere Informationen lesen Sie bitte den Artikel: Für die wirksame Integration von Informations und Kommunikationstechnologien (IKT) in die Systeme der allgemeinen und beruflichen Bildung in Europa (2004–2006).
Eine gemeinsame Einstellung des Rates im Hinblick auf die Annahme des eLearning Programms wurde erreicht.


