Interaktive Ausbildung für eine bessere Zukunft: E-Learning für sozial Ausgegrenzte
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Offenes Denken in einer geschlossenen Welt
Gefängnisse sind geschlossene Gesellschaften, die aus Sicherheitsgründen nur einen eingeschränkten Zugang zur Außenwelt gewähren. Die Wiedereingliederung von Häftlingen in die Gesellschaft ist ein schrittweiser Prozess, der sich aus den besonderen Umständen heraus entwickeln muss, die sich sehr stark von denen unterscheiden, denen sich die Häftlinge nach ihrem Gefängnisaufenthalt gegenübersehen.
Die Ausbildung kann eine Möglichkeit zur Resozialisierung von Häftlingen darstellen. Lernprozesse sind jungen Straftätern jedoch meist fremd. Die begrenzten Lernerfahrungen und Interessen der Zielgruppe erschweren deren Bildung erheblich, wobei sich eine ungeeignete Ausbildung nicht nur als unattraktiv, sondern sogar als schädlich erweisen könnte. Häufig sind die in Gefängnissen angewandten Bildungsmethoden zu traditionell angelegt, konzentrieren sich lediglich stark auf das Lesen von Lehrbüchern und bieten keine experimentellen Tätigkeiten. Der Lernprozess in Gefängnissen sollte ein konstruktiver Prozess sein, in dem die Ausbildungsteilnehmer eine aktive Rolle bei Wissenserwerb und -anwendung spielen. Dabei können neue Technologien Ausbildern helfen, Bildungsinitiativen zu entwickeln, die zur Wiedereingliederung junger Straftäter in die Gesellschaft beitragen.
HOPE: E-Learning als Möglichkeit zur Ausbildung junger Häftlinge
HOPE ist die Bezeichnung für eine E-Learning-Plattform, die darauf abzielt, den Ausbildungsprozess der von Ausgrenzung Betroffenen, insbesondere von jungen Häftlingen, zu verbessern. Das Projekt HOPE wird teilweise von der Europäischen Gemeinschaft im Rahmen des Programms Technologien der Informationsgesellschaft unterstützt und gehört zu der Gruppe „The Learning Citizen“.
Die Demonstration und Validierung der Ergebnisse erfolgen durch drei Pilotprojekte, die derzeit in zwei europäischen Ländern (Griechenland und Spanien) durchgeführt werden.
Während der Probeläufe wird das HOPE-System anhand realer Daten mit realen Benutzern (Gruppen junger Straftäter) erprobt. Fachpsychologen und Bildungsforscher untersuchen die Auswirkungen von HOPE auf die Ausbildungsteilnehmer sowie auf deren Verhaltensweisen und Einstellungen.
Die zu Beginn des Projekts zusammengetragenen Anforderungen der Benutzer werden mit den tatsächlichen Projektergebnissen verglichen, um beurteilen zu können, ob die endgültigen Ergebnisse mit den Anforderungen der Benutzer übereinstimmen.
Weshalb HOPE?
Um die Vorteile des HOPE-Systems im Vergleich zu anderen Methoden besser verstehen zu können, folgt nachstehend eine Beschreibung der bisherigen Bildungssituation in Gefängnissen in den genannten Ländern:
· In Spanien wird jungen Straftätern und Häftlingen eine Primar- und Sekundar- sowie Berufsausbildung in Form des traditionellen Gruppenunterrichts angeboten. Darüber hinaus bestehen auch Möglichkeiten zur Fernlehre auf Hochschulebene, jedoch ebenfalls anhand traditioneller Bildungsmethoden wie beispielsweise Bücher.
· In Griechenland wurde die Fernlehre in Einrichtungen für junge Straftäter noch nicht eingeführt. Derzeit ist die Unterrichtung junger Häftlinge eher schlecht und beruht auf traditionellen Methoden. Nur eine kleine Gruppe von Häftlingen hat die Möglichkeit, an Hochschulkursen teilzunehmen, die von Gastdozenten bzw. Hochschulen und/oder Universitäten außerhalb des Gefängnisses angeboten werden.
Wie funktioniert HOPE?
Das HOPE-System ist ein intuitiv angelegtes, flexibles und leicht einsetzbares Instrument, das ein ganz neues Konzept für die Bildung in Gefängnissen eröffnet. Die mit HOPE gebotene Unterstützung erfolgt durch die Verbesserung pädagogischer und gesellschaftlicher Ziele der Haftumgebung. Es unterscheidet sich deutlich von dem bisherigen Konzept für die Bildung in Gefängnissen. HOPE wird sich erheblich auf die Ausbildungsteilnehmer sowie auf deren Verhaltensweisen und Einstellungen auswirken. Sowohl das Wissen und die Fähigkeiten der Ausbildungsteilnehmer werden verbessert als auch die Motivation und das Interesse der Ausbildungsteilnehmer an E-Learning gesteigert, um so deren Verantwortungsbewusstsein zu festigen und ihr Selbstwertgefühl zu bestärken.
Beim Einsatz von HOPE können Ausbildungsteilnehmer im Gefängnis ihre persönlichen Profile verwalten, Listen verfügbarer Kurse einsehen, an Kursen teilnehmen und ihren Fortschritt durch die Kontrolle der Entwicklung ihrer Prüfungsergebnisse überprüfen. Mit ihren Betreuern oder Ausbildern können sie auf einfache Weise in Kontakt treten und ihnen Fragen stellen, unklare Begriffe klären oder Vorschläge und Kommentare absenden. Integriert sind ferner Motivationstechniken wie beispielsweise der Einsatz von Text und audiovisuellen Hilfsmitteln, so dass die visuelle Gestaltung den Erwartungen jüngerer Ausbildungsteilnehmer entspricht. Darüber hinaus wurden auch persönliche Präferenzen der Ausbildungsteilnehmer berücksichtigt, um die Schnittstelle individueller und attraktiver zu gestalten.
Ausbilder, die die HOPE-Plattform einsetzen, können eine Liste aller Ausbildungsteilnehmer sowie deren Profile, Prüfungsergebnisse und Einzelheiten bezüglich deren Teilnahme an den Kursen einsehen wie beispielsweise Angaben darüber, wann zuletzt bzw. wie lange eine Kursteilnahme erfolgte, bzw. sonstige Anmerkungen des Ausbildungsteilnehmers zu dem Kurs. Dadurch kann der Ausbilder den Fortschritt jedes Ausbildungsteilnehmers genau überwachen und ihn in einer geschützten Umgebung unterstützen.
Zur Entwicklung der Kurse steht ein Autorenwerkzeug zur Verfügung, für das keine besondere Kenntnis einer Programmiersprache erforderlich ist.
Der Ausbildungsleiter ist für den gesamten Ausbildungsprozess sowie die Ausbildungspläne verantwortlich. Er bearbeitet sämtliche Informationen zur Kursverwaltung und überwacht und kontrolliert die Teilnahme der Ausbilder und Ausbildungsteilnehmer an dem jeweiligen Kurs.
HOPE-Projektorte
Die HOPE-Projektorte sind die Justizvollzugsanstalt Madrid VI (Centro penitenciario Madrid VI) in Aranjuez (Spanien) die Haftanstalt für junge Straftäter in Avlona (Avlona Young Offenders Institution) in Athen (Griechenland) und die Jugendhilfeeinrichtung Papafeio (Papafeio Youth Care Institution) in Thessaloniki (Griechenland).
Hauptziel der Justizvollzugsanstalt Madrid VI (in Aranjuez (Spanien)) ist es, jungen Straftätern dabei zu helfen, ihr Deliktverhalten zu ändern und ihnen eine Möglichkeit zur Wiedereingliederung in die Gesellschaft zu bieten. Dabei sollen die Häftlinge dazu veranlasst werden, ihre Fähigkeiten zur Teilnahme am Leben in der Gesellschaft zu verbessern.
Als einer der griechischen HOPE-Projektorte wurde Avlona ausgewählt. Dort befindet sich die größte Haftanstalt für junge Straftäter in Griechenland. Seit April 2001 organisiert ARSIS dort Ausbildungskurse zum Einsatz von Computern.
Der andere griechische HOPE-Projektort ist Papafeio. Dort befindet sich eine Hilfeeinrichtung für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre. Die Einrichtung organisiert seit September 2001 Ausbildungskurse zum Einsatz von Computern.
HOPE-Kurse
Im Rahmen des ersten Pilotprojekts wurden drei von der Universität Athen und der TEI entwickelte Kurse erprobt:
· Der Schwerpunkt des Multimedia-Kurses liegt auf Multimedia-Anwendungen. Dabei werden alle Begriffe erläutert, die für das fachliche Verständnis erforderlich sind. Für die jungen Häftlinge dieser Einrichtung ist dies einer der interessantesten und modernsten Kurse.
· Der Kurs Computeranwendungen ist sehr praktisch ausgelegt und befasst sich mit der PC-Umgebung, den Basisinstrumenten der Büroautomatisierung sowie mit Grafikdesign.
· Der Kurs zur Eingliederung in den Arbeitsmarkt ist für die Bildung junger Häftlinge von besonderem Interesse. Die dort zur Verfügung gestellten Informationen stammen aus Situationen des realen Lebens und werden auf eine ansprechende und unterhaltende Art und Weise präsentiert. Die Ausbildungsteilnehmer erfahren alle Arten neuer Begriffe und Konzepte, die für das Überleben in einer recht komplexen Welt von entscheidender Bedeutung sind.
Das HOPE-Konsortium
Das Projekt setzt sich aus folgenden Partnern zusammen:
· SchlumbergerSema ist ein sehr erfahrenes Beratungs- und IT-Unternehmen, das die Projektleitung übernommen hat und darüber hinaus an der Entwicklung der Plattform mitarbeitet.
· Die Universität Athen, Pouliadis und die TEI Athen liefern die technische und inhaltliche Basis für das Projekt.
· CC und die staatliche Universität Jaroslaw sind Einrichtungen in Mittel- und Osteuropa. Sie sind an der kommerziellen Verwertung von HOPE beteiligt und unterstützen die Verbreitung der Projektergebnisse.
· ENRED ist ein Beratungsunternehmen, das das von ALPAO verwaltete spanische Projekt unterstützt.
· ALPAO ist die „Autonome Organisation zur Arbeits- und Haftunterstützung“ („Autonomous Labour & Penitentiary Assistance Organisation“), die den spanischen Justizvollzugsanstalten die für Bildung und Ausbildung von Häftlingen erforderlichen Ressourcen zur Verfügung stellt. ALPAO ist für die Pilotmaßnahmen in der Justizvollzugsanstalt Madrid zuständig.
· Die Vereinigung zur gesellschaftlichen Unterstützung Jugendlicher (ARSIS) arbeitet mit Jugendlichen, die von Marginalisierung in der offenen Gesellschaft bedroht sind, und entwickelt seit einiger Zeit Ausbildungs- und kreative Aktivitäten in allen Gefängnissen, in denen junge Menschen inhaftiert sind. ARSIS leitet die Bemühungen zur Durchführung der Maßnahmen an den griechischen Projektorten.
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